Sonntag, 13. Januar 2013

Maupiti

Inzwischen ist Samstag und ich bin immer noch in Maupiti. Das stationäre Hoch im Norden steht wie angeschweißt und hat sich in den vergangenen Tagen nicht gerührt. Für morgen Sonntag soll dann laut Wetterbericht wieder Normalität einkehren und der Wind wird von Nord auf Ostnordost schwenken, von 2-3 Knoten auf etwa 8-10 Knoten zunehmen und damit gute Voraussetzungen schaffen um hier los zu starten.





Ich hoffe schwer dass sich die schmale Einfahrt in die Lagune bei der Ausreise etwas freundlicher zeigt als bei meiner Ankunft. Die Strömung hier ist eigenartiger Weise immer von der Lagune nach außen, was für mich kein Problem war da ich zur optimalen Zeit kurz vor Mittag eingefahren bin. Manchmal ist es gut wenn man nur alte Handbücher hat, denn da stehen noch Navigationshilfen drinnen wie sie früher benutzt wurden. Heutzutage klick man ja nur mehr auf den Computer, startet das Tidenprogramm, oder den Guestimator, oder.... und man bekommt einigermaßen verlässliche Informationen. In the good old times haben die Jungs natürlich auch gewusst wo sie nachschauen müssen, nämlich in der Natur, Mond, Ufer , Tageszeit und man bekommt auch einigermaßen verlässliche Infos über die Durchfahrtszeit. Und das steht eben nur in den alten Büchern.
Allerdings war bei meiner Ankunft Wind aus Südwesten mit 20 Knoten und somit perfekte Bedingungen für eine erstklassige kurze, brechende Welle bei der Einfahrt. Und da ist es überall flach, und dann bin ich noch ein bisserl zu weit nach Westen gekommen da das Segelbergen zu lange gedauert hatte, und auf einmal war da gar keine Einfahrt mehr wo ich rein wollte,........da hat es mich nachher schon gewundert dass das Hoserl keinen braunen Mittelstreifen bekommen hat.

Meine letzten 423 Polynesischen Franc (ca. 3,50 Euro) die ich im Boot gefunden habe, habe ich in 3 Gurken und 8 Paprika umgewandelt, zu mehr ließ sich die kleine dicke Verkäuferin nicht hinreißen. Ja und dann habe ich noch 1 Tomate und 9 Kartoffeln, 4 Zwiebeln und Knoblauch und dass muss reichen für die Überfahrt. Gemüse ist einfach ein Problem. Es gibt hier auch noch keine Bank, keinen Bankomaten und die 3 Geschäfte nehmen keine Kreditkarten und auf meine 100 Euro Scheine wollten sie mir nur wieder ihr Polynesischen Geld rausgeben, aber was soll ich damit dann anfangen.

Happy Schnee schaufeln
Chico


Mittwoch, 9. Januar 2013


Tahiti, Dezember 2012


Ich haue mich 2 Stunden aufs Ohr, mache mir dann ordentlich was zu Essen, und bei einem rundum Blick ob irgendwelche bekannten Schiffe da sind, sehe ich eine Österreichische Flagge. Oje, oje der hat keinen Mast mehr, nur viele Teile liegen an Deck, und es sieht ziemlich wüst aus.
Rancho-Relaxo-of-the-Seas so lautet der typisch Österreichische Name der Yacht. David und Guillerma sowie ihre beiden Kinder Bruno und Viola (5 + 3 Jahre) sind seit 1,5 Jahren auf dem Stahlboot unterwegs und das ist auch der einzige Grund warum das Ding überhaupt noch schwimmt, weil es aus Stahl ist. Sie waren, wie ich später erfahre, vor ca. 1 Woche unterwegs nach Apataki, also genau dahin wo ich hergekommen bin, als etwa 30 Meilen nördlich von Tahiti das Unglück passiert. David schläft bei seiner Nachtwache ein, die Strömung treibt das Boot ein wenig weiter westlich als geplant und schon erwachen sie auf Tetiaroa, jener Insel welche sich einstmals Marlon Brando nach den Dreharbeiten zum Film „Meuterei auf der Bounty“ gekauft hatte. Details zu diesem Vorfall könnt ihr in der Yachtrevue vom Dezember nachlesen in dem David einen mehrseitigen Bericht mit vielen Bildern geschrieben hat.

Sandy und Karl von der „Shambala“, natürlich auch 2 österreichische Segler auf einer Ovni38 aus Aluminium, bleiben 3 Tage bei mir am Schiff bis sie ihren Flug nach Österreich haben. Der Flug von Apataki nach Papeete wurde ersatzlos gestrichen, dadurch verpassen sie ihren Anschlussflieger nach Paris, dann will Air France 1300,- Euro Umbuchungsgebühr haben, die sie verständlicherweise nicht bezahlen wollen, es war ja die Schuld von Air Tahiti, und dann ist halt der Spießrutenlauf mit den Fluggesellschaften losgegangen bis sich dann doch das Meiste in Wohlgefallen aufgelöst hat. Die beiden haben nicht wie die meisten Segler die bequeme Route durch den Panama Kanal genommen, sondern sind über Kap Hoorn und durch die wilden, kalten und nassen, aber wunderschönen Kanäle Patagoniens gesegelt. Jetzt sind sie für ein paar Monate nach Hause, anscheinend brauchen sie die Kälte anders ist das nicht zu verstehen.

Während die beiden also mit den Fluglinien ihr Vergnügen haben, bin ich auf der Suche nach neuen Batterien, denn ohne gibt es kein Segeln. Ich besorge mir Adressen, frage überall wo wer vielleicht irgendwelche Batterien mit entsprechender Kapazität hat, und vor allem auch ob die geeignet sind als Servicebatterien und nicht nur als Starterbatterien wie sie in den Autos verwendet werden. Nach 2 Tagen und 18 Geschäften in denen ich war – hätte ja nie geglaubt dass es in Papeete so viele Läden gibt die Batterien verkaufen – komme ich langsam der Verzweiflung nahe. Schon am Weg zum Bus, gehe ich noch bei Aming vorbei, ein typischer Chinesenladen der alles mögliche, hauptsächlich aber Küchenzubehör für Gastronomie Küchen, verkauft. Ich brauche auch einen neuen Teekessel da mein alter ein schönes Loch hat aus dem er tropft wie ein aus einem Sieb. Da sehe ich doch in der Ecke neben dem Eingang einen ganzen Stapel grauer Kästen, sehen aus wie Batterien, sind sogar AGM Batterien, also ohne Säure, sondern getränkte Glasfasermatten die besonders für den Schiffsbetrieb geeignet sind, da sie lageunabhängig eingebaut werden können. Außerdem steht noch drauf sie sind Tiefentladefest, haben CE Prüfzeichen und der alte kleine Chinese macht mir einen Preis den hätte ich auch für die gewöhnlichen Säurebatterien bezahlt. Einziges kleines Problem, wie bekomme ich die 2 Batterien mit einem Gesamtgewicht von 120kg auf mein Boot?? Sandy und Karl haben sich für den nächsten Tag ein Auto gemietet und so ergreife ich natürlich sofort die Gelegenheit um die Batterien zu transportieren. Karl hilft mir dann noch die Dinger ins Dingi zu wuchten, und dann wieder vom Dingi aufs Schiff zu bekommen. Danke noch mal und ich hoffe du hast dir dein lädiertes Kreuz nicht noch mehr verrissen.

Kaum sind die beiden weggeflogen, kommt Mira zu mir aufs Schiff. Wir beschließen für die paar Tage nach Raiatea und Tahaa zu segeln, da die Wettervorhersagen für die nächste Woche gut ist. Außerdem ist fast Vollmond und da macht das Segeln in der Nacht gleich doppelt soviel Spass. Perfekte Windbedingungen veranlassen mich den Gennaker auch Nachts stehen zu lassen und so sind wir in Nullkommajosef in Raiatea. Bei den langen Spaziergängen füllt sich der Rucksack mit Obst und der Heimweg wird immer zu einer argen Schlepperei. Auch endlich wieder mal baden gehen, schnorcheln, einfach ausspannen nach den super hektischen Tagen in Tahiti. Leider muss auch Mira bald wieder weg und wir segeln zurück nach Papeete.

Kaum ist sie abgeflogen setzt der große Regen ein, täglich mehrere Stunden, kurze Pause wieder Regen, so geht es tagein, tagaus dahin und kein Ende in Sicht. Das Leben am Boot wird ungemütlich, nie kann man die Fenster offen lassen, die Luftfeuchtigkeit sinkt nie unter 90%, ich hätte jede Menge kleine Arbeiten großteils außen am Boot die aber alle warten müssen. Längst schon wollte ich auf Bora Bora sein, doch der Regen und die „falsche“ Windrichtung machen ein weg segeln unmöglich. Kurz vor Weihnachten dann doch noch der erhoffte Wetterumschwung. Ein letztes mal noch zum Carefour, dem größten Supermarkt Papeetes, zum Hafenmeister um auszuklarieren und dann geht’s endlich los.

Ich nehme mir diesmal vor mindestens 15 Meilen Abstand zu Moorea zu halten um nicht wieder in der Windabdeckung ohne einen Hauch oder mit drehenden Winden hängen zu bleiben. Das gelingt ganz gut, doch in der Nacht hält sich das Wetter wieder mal überhaupt nicht an die Vorhersage. Vier mal bekomme ich Squalls auf die Mütze mit weit über 30 Knoten Wind die mich ordentlich auf Trab halten. Am frühen Vormittag sehe ich schon dass sich Bora Bora nicht ausgehen wird um es bis zum späten Nachmittag bei Tageslicht zu erreichen und so ändere ich mein Ziel auf Raiatea. Und kurz vor der Passeinfahrt erwischt mich noch ein letzter intensiver Wind mit jeder Menge Regen und kaum Sicht. 35 Knoten zeigt mein Windmesser und 9 Knoten Fahrt der Speedometer, als es mit der zweiten Reff durch den Pass geht. Ich pfeife auch auf Raiatea und fahre einfach gerade aus nach Haamene auf der Insel Tahaa. 2,5 Meilen lang ist der tiefe Einschnitt bis man zu der kleinen Ortschaft kommt. Und endlich Ruhe als der Anker auf 8 Meter Tiefe in die braune Brühe plumpst, nur der Regen stört.
Und der Regen bleibt, nach 3 Tagen gehe ich erstmals an Land bei einer kurzen Regenpause, Weihnachten ist inzwischen vorbei, ist auch nicht wichtig. Endlich wieder eine lange Wanderung rauf den Berg und die Aussicht genießen. Das ganze Atoll liegt vor mir, im Süden direkt anschließend dann Raiatea und im Westen kann man auch noch Bora Bora recht gut erkennen. Das Wetter bleibt weiter unbeständig doch ich verziehe mich aus der Bucht von Haamene da ich das braune Wasser welches die 2 kleinen Flüsse in die Bucht spülen nicht mehr sehen will. Ich verlege mich zu einer kleinen Insel ans Außenriff. Zur Neujahrsfeier will ich unbedingt in Bora Bora sein und beim nächsten halbwegs schönen Tag segle ich die 30 Meilen bis zur angeblich schönsten Insel von Französisch Polynesien. Ich meine Bora Bora hat schon was, aber die schönste Insel?? Das haben sich wohl eher die Touristiker ausgedacht.
Auf alle Fälle komme ich endlich dazu mein Weihnachtsgeschenk auszuprobieren. Ich habe mir ein Fahrrad gekauft, aus Aluminium, 6 Gänge, schnell und einfach zusammenlegbar damit es auch ins Boot passt und mit dem Dingi einfach an Land transportiert werden kann.
Ich verlege mich für die Neujahrsfeier an eine der Bojen direkt vor dem alten Bora Bora Yacht Club. Bei der Tischreservierung und der Frage nach dem Neujahrsdinner und den Preis verschlägt es mir dann doch den Atem. Dass es hier sehr teuer ist weiß jeder, aber mit dem Geld für ein Abendessen kann ich locker einen Monat leben. So verzichte ich also gerne auf die zusätzlichen Ausgaben und koche mir selber was anständiges. Schließlich ist die Bar auch offen ohne dass man vorher dort gegessen hat.



Mein Ziel, bevor es dann endlich nach Norden, nach Kiribati geht, ist Maupiti die kleine Schwesterinsel westlich von Bora Bora. Touristisch noch sehr unterentwickelt sind auch die Einwohner noch sehr freundlich, hilfsbereit und freuen sich wenn sie zu verrückten Seglern Kontakt kriegen. Denn wie jemand freiwillig wochenlang aufs offene Meer geht können sie nicht verstehen.
Ja und hier warte ich nun auf günstigen Wind um nach Norden zu segeln. Etwa 1200 Seemeilen sind es bis zu meinem nächsten Ziel, Kirimati oder Christmas Island im riesigen Inselstaat Kiribati.

Ich habe jetzt auch endlich heraus gefunden wie ihr meine Position verfolgen könnt. Auf der Webseite shiptrak.org müsst ihr bei callsign: KC2UNJ eingeben und dann auf view klicken und schon könnt ihr meine Route verfolgen. Dann noch hinein zoomen und die Anzeige auf den Karten ist fantastisch gut. Ein wirklich feines Programm, ihr braucht es nicht herunter zu laden und euch auch nirgends anmelden. Wenn ihr das callsign von anderen Seglern wisst, dann könnt ihr natürlich auch deren Position verfolgen, falls derjenige regelmäßig einen Positionsreport schickt.

Ich werde versuchen auf meiner Fahrt nach Kiribati täglich einen ganz kurzen Bericht zu schreiben sowie meine Position anzugeben. So könnt ihr mich fast in Echtzeit verfolgen. Es soll zwischen morgen Mittwoch 9.1. und Sonntag irgendwann losgehen. Hier in Maupiti ist das Wetter inzwischen zwar ok, aber etwa 100 Meilen nördlich hält sich ein hartnäckiges Windloch. Es macht wenig Sinn hier los zu segeln damit ich dann einen Tag später in der Flaute hänge.

Also dann bis bald
Chico

Freitag, 28. Dezember 2012

Arbeiten

Arbeit

Nach der ersten Nacht wieder zu Hause auf dem Boot, nachdem der Großteil des Gepäcks halbwegs verstaut ist, beginne ich mit den Arbeiten. Leider muss ich schnell feststellen dass nicht alles so wunderbar in Ordnung ist wie es den Anschein hatte.
Zwei der wichtigsten Dinge an Bord funktionieren nicht. Die Batterien sind komplett hinüber, da ist gar nichts mehr zu machen. Ich verwende 4 Stück 6 Volt Batterien und durch Messungen versuche ich die 2 raus zu finden welche die eingespeiste Leistung noch am Besten halten können. Dies ist wichtig weil eine einzige sehr tief entladene Batterie kann das ganze System nach unten ziehen und dann hätte ich anstatt mehreren Stunden Strom in der Nacht für die Fahrt nach Tahiti nur Strom für 2-3 Stunden.

Das Zweite lebensnotwendige Gerät welches nicht funktioniert ist der Kühlschrank – warmes Bier, einfach unvorstellbar. Ich habe den Verdacht dass etwas von dem Gas (Kältemittel) entwichen ist und dadurch die Laufzeit extrem lange geworden ist. Er schaltet fast nicht mehr aus, sondern läuft und läuft und läuft......bis eben die Batterie leer ist. Vielleicht war das ja auch der Grund warum die Batterien jetzt hinüber sind. Hier in der Werft kann ich nichts machen, da gibt es kein Kältemittel zu kaufen, keinen Fachmann der das reparieren könnte. Entweder man hat das nötige Ersatzmittel an Bord oder sonst muss die Reparatur eben warten bis Tahiti. 2 Tage später jedoch als ich den Kühlschrank einer Generalreinigung unterziehe, sehe ich dass der Fühler vom Thermostat nicht richtig in seinem Gehäuse ist, sondern nur mit dem letzten Spitzerl gerade noch dranhängt. Wenn man am Thermostat dreht schaltet er zwar, misst aber eine völlig falsche Temperatur. Also den Fühlerdraht ganz einfach ordentlich in seiner Halterung platziert und schon läuft der Kühlschrank wieder normal wie eh und je. Manchmal hat es auch seine Vorteile wenn man nicht alle Ersatzteile an Bord hat. Sonst hätte ich aus einem funktionierenden Kühlschrank vielleicht einen echten Reparaturfall gemacht.

Die Tage in der Werft sind ausgefüllt mit Arbeit, Moskitos killen, Essen, Arbeit, Moskito killen, Essen, Moskito killen, Moskito killen, Moskito killen,..... so ungefähr ist der Tagesablauf. Von 05:00 in der früh bis 10:00 vormittags sind die Plagegeister unterwegs, millionenfach. Dann wird es ihnen zu heiß und sie verziehen sich bis gegen 16:30 wo sie pünktlich wieder erscheinen um mir und den wenigen anderen Überlebenden auf der Insel das Leben bis gegen 20:00 abends schwer zu machen.
Ich habe endlich auch Gelegenheit den Schaden der bei der Überfahrt von Panama zu den Galapagos Inseln durch den riesigen Baumstamm entstanden ist (siehe ältere Post's), ordentlich zu reparieren. Außerdem alle Stellen am Unterwasserschiff die mir Osmose verdächtig erschienen sind, werden peinlichst genau auf geschliffen, kontrolliert und wieder viel lagig mit Epoxilaminat und entsprechendem Farbaufbau versiegelt. Keine der Stellen hat sich zum Glück als Osmoseherd entpuppt.
Aus Österreich habe ich auch neue Ruderlager mitgebracht die jetzt getauscht werden. Der Motor erhält ein komplettes Service, der Dingi Motor wird wieder gangbar gemacht, Teile des Lackes werden abgeschliffen und mit 2 Lagen Primer und 2 Lagen Anstrich neu gestrichen, alle Holzteile und der Cockpittisch werden komplett bis auf den Grund abgeschliffen und 4 fach neu versiegelt, und eine Unmenge an Kleinarbeiten erledigt.
Irgendwann ist auch die an die Substanz gehende Arbeit in der Tropenhitze zu Ende – auch Nachts selten unter 30 Grad – und CHI kommt wieder ins Wasser.

Der Wind ist günstig und 2 Tage später starte ich nach Tahiti um Ersatzteile zu besorgen und einen Großeinkauf zu machen. Kaum habe ich die Lagune verlassen schon geht das Sauwetter los. Statt versprochenen 12-14 Knoten Ostwind, weht es mit 25 Knoten aus Westen dazu heftige Schauer. Die nächsten 2 Tage sehe ich so gut wie keine Sonne, den Kühlschrank habe ich erst gar nicht eingeschaltet denn ich brauche jedes verfügbare Ampere für den Autopiloten, die Navigationslichter, Funkgerät und das GPS. Alles andere ist abgeschaltet und ich hoffe inständigst dass die Batterien noch so viel Strom hergeben um bis Tahiti durchzuhalten. In der Zweiten Nacht gegen 02:00 Uhr morgens ist dann Schluss, es heißt von nun an händisch steuern. Kurz nach 04:00 kommt eine schwarze Wand auf mich zu gerauscht. Ich drehe fast in den Wind, fixiere die Steuerung, binde das 2. Reff ein und mit einem Höllentempo geht es bei 35 Knoten Windie Wellen über den Bug und ich hoffe dass diese Front bald vorbei ist. Das nächste Problem bei die nach Süden. Ich müsste eigentlich um 20 Grad weiter nach Steuerbord segeln, dann habe ich aber dsem Kurs heißt Tahiti und liegt genau südlich von mir, nicht mehr allzu weit entfernt. Ich kann nur leider im Moment keine Standortbestimmung machen denn bei dem Wind kann ich die Pinne nicht loslassen ohne dass das Boot in den Wind schießt oder eine Patenthalse macht. Laut meiner Schätzung müsste ich noch ca. 12 Meilen entfernt sein, bei dem Tempo der letzten beiden Stunden – nie unter 9 Knoten – könnten es aber auch nur mehr 5 Meilen oder weniger sein. Bei gutem Wetter kann man den 2000 Meter hohen Hausberg Tahitis bereits aus über 50 Seemeilen sehen, ich sehe aber nur dunkelgraue Wolkenmassen. Dann endlich schwindet eine kleine Ecke der Wolke und ich kann den nordwestlichen Zipfel Tahitis erkennen. Sofort ändere ich meinen Kurs und praktisch im gleichen Moment dreht sich auch der Wind in eine günstige Richtung, es hört zu regnen auf, die Wolken verziehen sich und Tahiti wird in seiner ganzen Größe sichtbar. 2 Stunden später mache ich an einer der zahlreichen Bojen vor der Taina Marina südlich von Papeete, der Hauptstadt Tahitis, fest. Was eine lockere Fahrt bei besten Wetterverhältnissen hätte werden sollen hat mich ordentlich geschlaucht.




Samstag, 22. Dezember 2012



Zurück nach Hause (CHI), mitte Oktober 2012

Ich bin wieder unterwegs, vorerst aber nicht mit dem Schiff. Aufstehen Samstag um 03:45 und ein Letztes gemütliches Frühstück. Soweit bei angenehmen 11 Grad Raumtemperatur (ich habe in der Nacht vergessen das Fenster zu schließen) Gemütlichkeit aufkommen kann.

 Dann ab mit meinem zerwuzelten und verbeulten Blauen Flitzer den mir Andreas während des Sommers überlassen hat. Es geht nach München als erstes das Auto retournieren und schon stellt sich das erste kleine Problemchen ein. München ist halt doch kein Dorf denn schon beim Autobahnende erwische ich die falsche Abzweigung und eine Stunde sinn- und orientierungslos im Kreis fahren beginnt. Dann rufe ich doch besser bei Andreas an und frage ihn nach dem Weg. Überraschenderweise bin ich gar nicht so weit weg von ihm. Er bringt mich dann zum Flughafen und kurz darauf bin ich in London, wo ich 3 herrliche, angenehme Tage verbringe. Auch die schönste Zeit ist mal zu Ende und der große Blechvogel soll mich Richtung Südsee bringen. Beim Einchecken hapert es aber dann auch schon wieder. Mein Flug sollte via London – Hongkong - Auckland nach Papeete (Tahiti) gehen, doch die nette Dame am Schalter erklärt mir dass mein Ticket über Los Angeles führt. Für den Normalbürger kein wirkliches Problem, für mich schon. Die Amis sind ja meine Lieblingsfeinde und lassen mich nicht mehr in ihr Land, Transit gibt es keinen, also kann ich auch nicht über Los Angeles fliegen. Also ab zum Ticket Schalter und mit charmantem Lächeln und Sprüchen versuchen die Umbuchung so billig wie möglich zu bekommen. Ganz umsonst war es dann doch nicht, 50 Pfund wechseln den Besitzer und ich darf dann doch über Hongkong und Auckland nach Tahiti fliegen.


Nach vielen, vielen Stunden in Abfertigungshallen, Warteschlangen und natürlich eingezwängt in engen Sitzen im Flieger komme ich dann doch in Tahiti an. Lästig vor allem die ewigen Kontrollen, Kontrollen, Kontrollen.....insgesamt musste ich meinen Rucksack 11mal ausräumen. Gut der Inhalt war natürlich Terror verdächtig. 2 Laptops, 3 e-book reader, 3 externe Festplatten, ein paar Kleinigkeiten und das höchst suspekte Ding war mein Ruderlagengeber. Ein etwa 30cm langes Metallstangerl mit einem Kabel am Ende, dazu gepackt in einer Luftpolsterfolie habe ich dann auch noch eine WLAN Antenne mit Verstärker. Für den jeweiligen Kontrolleur sah das sicher aus wie eine Rohrbombe und die Antenne, Kabel, Verstärker das war bestimmt für die Fernzündung......

 



Mittwoch in der Nacht komme ich also in Papeete an und bleibe 3 Tage bei meinen österreichischen Freunden Hannes und Christine auf deren Schiff Optimist, einem 15 Meter Katamaran. Sie haben das Boot erst vor nicht allzu langer Zeit erworben und sind noch immer beim optimieren der Ausstattung. So hat das Boot einen riesigen drehbaren Mast, dessen Verstagung etwas kompliziert zu handhaben ist. Hannes vereinfacht das System nun mit Dyneema Leinen. Für die beiden sind übrigens auch 2 der 3 e-book reader und die WLAN Antenne. Nicht alles was man so mitschleppt wenn man von Österreich wieder zum Boot fliegt ist für den Eigenbedarf. Es gibt immer andere Segler die dringend etwas brauchen und es ist selbstverständlich dass man das, wenn irgend möglich, mitbringt.

Am Sonntag in der Früh geht’s dann endlich nach Apataki zu meinem Boot.
CHI steht noch da wie ich ihn verlassen habe, die Tür ist natuerlich nicht verschlossen, der Geruch der mir entgegen kommt ist nicht gerade Frischluft, aber auch nicht der Gestank abgestandener, fauliger Luft wie meistens nach monatelanger Abwesenheit. Kaum Schimmel im Inneren, nirgends sind Wasserlachen zu sehen – ich bin begeistert.