Mittwoch, 31. August 2011

Marquesas - Tuamotus

Von den Marquesas zu den Tuamotus, oder genauer gesagt von Taiohae auf Nuku Hiva ins Raroia Atoll auf den Tuamotus.
Der größte Unterschied ist schon in der Optik der Inseln. Die Marquesas sind mächtige, hoch und steil aufragende Gebirgsmassive aus Lava Gestein, also vulkanischen Ursprungs. Wild bewachsen, fruchtbar, tropischer Dschungel mit allen möglichen Obst und Gemüse. Dagegen die Tuamotus sind versunkene Vulkane von denen nur noch der äußere Ring in Form von flachen Korallen Inselchen aus dem Wasser ragt. Die Marquesas sind bei der Annäherung mit dem Schiff bereits aus bis zu 100 Kilometer Entfernung sichtbar und man hat das Gefühl man segelt und segelt und kommt nicht näher. Dagegen die Tuamotus sieht man erst sehr spät, frühestens wenn man bereits auf 7 Meilen dran ist. Diese sogenannten Ring Atolle, im Fall von Raroia ist es etwa 21 Seemeilen lang und 6 Seemeilen breit, haben eine Schwierigkeit in sich – den Pass.
Der Pass ist eine meist schmale Schneise durch den Korallengürtel durch den man ins Innere des Atolls gelangen kann. Hier in Französisch Polynesien beträgt die Tide (Höhenunterschied des Wasserstandes zwischen Ebbe und Flut) ca. 1 Meter. Das bedeutet dass die riesigen Wassermassen natürlich auch nur durch den Pass Einlaufen oder Auslaufen können. Daraus ergeben sich enorme Strömungen die ein Durchfahren zum falschen Zeitpunkt nicht nur unmöglich, sondern lebensgefährlich machen. Es gibt Atolle da erreicht die Strömung 12 Knoten und mehr als 2 Meter extrem kurzer steiler Welle. Einzig beim sogenannten slackwater (Stillwasser) oder kurz davor oder danach ist es ungefährlich durch zu fahren. Wenn man also zur falschen Zeit ankommt heißt es entweder warten oder weiter segeln zum nächsten Atoll und vielleicht geht's dort. Das slackwater ist meist relativ gut erkennbar an der Wellenbildung im Kanal. Ein findiger Segler, Gram Schweikert ein gelernter Naval Architect/Marine Engineer vom Boot S/V Visions of Johanna, hat sich nun die Mühe gemacht und ein kleines Programm geschrieben mit dessen Hilfe man die idealen Zeiten errechnen kann, den sogenannten Guestimator. Frei als download erhältlich, aber er freut sich natürlich über jede Spende mit der er sich ein Bierchen kaufen kann. Das Wort Guestimator kommt vom englischen 'guess', also erraten, vermuten, schätzen. Die Zeit des slackwaters ist leider keine Konstante sondern verschiebt sich abhängig von der Wellenhöhe, der Wellenrichtung, der Windgeschwindigkeit aus einer bestimmten Richtung, wie viele Tage der Wind bei welcher Stärke geblasen hat, wie viele Pässe ein Atoll hat und noch ein paar andere Kleinigkeiten. Es gibt also einiges zu beachten vor der Durchfahrt in ein Atoll. Ich habe schon vor meiner Atlantiküberquerung in Gran Canaria Segler getroffen die, damals noch mit Sextant, in kein einziges Atoll eingelaufen sind aus Angst davor zur falschen Zeit da zu sein und dann am Rande des Kanals zu enden. Damals konnte ich das nicht verstehen, kaum glauben, jetzt weiß ich wovon geredet wurde.
Warum das Raroia Atoll als erstes Ziel? Vom Kurs her ist es nicht besonders günstig aber es hat eine andere Besonderheit. Vor ca. 60 Jahren ist Thor Heyerdahl dort mit seiner Kon Tiki aufgeschlagen. Er hat versucht zu beweisen dass Polynesien von Peru in Süd Amerika, aus besiedelt wurde. Dazu hat er ein Floss aus Balsa Baumstämmen gebaut und sich damit 101 Tage lang über den Pazifik treiben lassen, bevor er auf Raroia am östlichen Außenriff aufgeschlagen ist. Irgendwie hat sein Floss das überstanden und die ganze Mannschaft ist heil ins Innere gekommen. Wie man sieht geht es auch ohne Pass. Damit war mehr oder weniger erwiesen dass Polynesien von Süd Amerika aus besiedelt wurde und Thor Heyerdahl ein Held. Erst viel später stellte sich heraus dass damit nur bewiesen wurde dass die Strömung von Süd Amerika zuerst nach Norden und später nach Westen läuft. Das haben aber auch schon die alten Chinesen im 15. Jahrhundert gewusst. In Wirklichkeit wurde der Pazifische Raum von Süd Ost Asien aus besiedelt.
Trotzdem, irgendwo muss man anfangen mit den Atollen und warum nicht Raroia. Die Überfahrt verläuft nach Plan, das Wetter hält sich ziemlich genau an die Vorhersage, einzig der 222 Meter lange Frachter Cap Cleveland macht mir am letzten Abend vor der Ankunft Sorgen. Mein AIS Alarm geht los und als ich nachschaue zeigt mir das Gerate direkten Kollisionskurs. Es ist schon äußerst ungewöhnlich hier überhaupt ein Schiff zu treffen, dann muss es nicht auch noch Kollisionskurs sein. Ich funke also wieder mal und bitte den Diensthabenden doch seinen Kurs um 10 Grad zu ändern bis er an mir vorüber ist. Immer wieder bin ich erstaunt wie Diskussionslos meiner freundlichen Bitte nachgekommen wird. So endet auch diese Begegnung ohne Probleme und ich muss sagen das AIS hat sich bis jetzt als ganz ausgezeichnete Investition ins Schiff heraus gestellt. Die letzte Nacht segle ich nur mit 3.Reff und ein wenig Vorsegel um zur richtigen Zeit (nicht zu früh) anzukommen. Ohne Warterei geht's es direkt durch den Kanal. Ich habe 2,5 Knoten Strömung mit mir, der Guestimator hat entweder nicht gestimmt für dieses Atoll oder ich habe falsche Eingaben gemacht. In dem Fall ist es nicht schlimm, da es einzig darauf ankommt das Schiff steuerbar zu halten und ich mit einlaufender Strömung hinein segle. Danach segle ich gleich weiter ans Sued-Ost Ende des Atolls. Hier gibt es keine Seekarten mehr. Das Innere der Atolle ist am Computer nur graue Fläche ohne irgendwelche eingezeichnete Hindernisse. Auf der guten alten Papierseekarte eine schöne weiße Fläche, abgesehen von ein paar Kaffeeflecken, nach denen man besser nicht navigieren sollte. Wieder mal heißt es schauen, schauen, schauen. Es gibt hier jede Menge Korallenköpfe die senkrecht aus dem Boden wachsen bis kurz unter die Wasseroberfläche. Bei hoch stehender Sonne sind sie leicht und gut erkennbar. Wehe man fährt aber gegen die Sonne, keine Chance auch nur irgendetwas zu sehen. Und wenn man so einen etwa 10 – 50 Meter im Durchmesser großen Korallenblock trifft dann Gute Nacht.

Dienstag, 16. August 2011

Nuku Hiva

14. Juli, der Französische Nationalfeiertag wird natürlich auch in Französisch Polynesien gefeiert, gibt schließlich wieder einen freien Tag. Tagsüber finden verschiedene Wettkämpfe, wie Rudern Petanque (Boccia), Volleyball und ähnliches statt. Und am Abend gibt es eine Veranstaltung mit Tänzen der Insel. Und ich muss sagen ich war enttäuscht. Wahrscheinlich war es nur meine eigene hochgesteckte, von Fernseh- und anderen Berichten angekurbelte Erwartung, die mich das Fest als eine Enttäuschung erleben ließ. Es wird immer und überall von der überschäumenden Lebensfreude berichtet. Die habe ich schmerzlich vermisst. An den Tischen hauptsächlich betrunkene Männer (wie bei uns), von der Tanzgruppe 2 oder 3 Mädchen denen man ansehen konnte dass sie gerne machen was sie machen. Der Rest erweckte den Eindruck dass sie halt mitmachen weil es so üblich ist, oder weil die Mama es gesagt hat, oder was weiß ich. Aber sicher nicht weil sie es gerne tun. Man muss aber zumindest sagen, es war authentisch und keiner hat sich wegen uns 3 Touristen verstellt. Und es war trotzdem schön, nur eben wie schon Eingangs erwähnt – die Erwartungshaltung passte mit dem Gesehenen nicht zusammen.

Viele der Einwohner auf den Marquesas haben Elefanttitis (Filariose) und angeblich wird sie durch irgendein Insekt übertragen. Wir erfahren dass es dafür eine kostenlose Impfung gibt und wollen die Gelegenheit nutzen und gehen ins Hospital. Die nette Dame an der Rezeption schickt uns zu einem Kiosk in der Nähe. Etwas verwundert machen wir uns auf den Weg und zwischen Kugelschreibern, Schulheften und anderem Kleinkram holt die Verkäuferin eine Packung Tabletten hervor. Danach musste jeder auf die Waage (ich wiege noch immer gleich wenig), und wir bekamen unsere Pillenration. Dazu noch eine andere Pille, wo ich nicht mehr weiß wozu die gut war, aber wir mussten sie unbedingt auch mitnehmen. Am Abend war also Pillenparty angesagt. Wo die Kids sich heute ihr Extasy reinschmeissen, nehmen wir die gesunden Pillen. Vorsichtshalber haben wir aber anstatt sie mit Wasser zu schlucken dann doch auf den guten Abuelo (Rum) zurück gegriffen. Es ist immer besser das unbekannte Zeugs zu desinfizieren. Wie uns gesagt wurde soll einem von den Tabletten übel werden, wir waren wohlauf und ohne Beschwerden.

Ich habe gerade 2 Tage lang das Großsegel repariert. War ziemlich arg die letzte kurze Fahrt, nur 15 Meilen aber die hatten es in sich. Bis 30 Knoten Wind, und ich hatte viel zu viel Segel gesetzt. Da hat es mir beide Rutscher des Kopfbeschlag (ganz oben, doppelt gelagert) des Segels ausgerissen, darauf am Vorliek das Führungsseil im Bereich des Ersten Rutschers, danach den Beschlag für die Erste Segellatte und dann noch ein paar Kleinigkeiten damit mir ja nicht langweilig wird.
Meine Steirischen Freunde haben mir dabei fest geholfen denn ein Großteil musste per Hand genäht werden weil der Stoff so dick und steif ist (8-lagiger Segelstoff + Halteband) das packt die beste Nähmaschine nicht mehr.

Heute haben die Beiden bei ihrem Schiff etwas bei der Windfahnen Steueranlage korrigieren wollen und da stellt sich heraus dass die Lagerwelle des extra Ruderblattes dafür, fast vollständig weg gescheuert ist. Also haben wir heute angefangen bei ihnen am Boot ein neues Hilfsruder für die Windfahnensteuerung zu bauen. Komplett von a-z mit Kunststofflagern, Aluwelle, Ruderblatt usw... Alles von Hand gefertigt aus Teilen die man halt so am Boot herumliegen hat.

Danach ging es wieder mal in die Zivilisation, in die Hauptstadt von Nuku Hiva, nach Taiohae. Einkaufen war angesagt, schließlich soll es danach weiter gehen zu den Tuamotus, und was man so hört ist die Versorgungslage dort noch schlechter als auf den Marquesas.

Am Samstag vor der Abfahrt war dann großer Markttag. Zufällig fragen wir am Freitag bei einem der Marktstände ob sie nie ein größeres Angebot als die paar verrunzelten Dinge haben. Freundlich lächelnd erklärt uns die (wie alle anderen auch) übergewichtige Dame dass wir um 04:00 (in Worten – vier) Uhr morgens kommen müssen, da gibt es jede Menge, ganz frisch. Wir sind nicht sicher ob sie uns verscheissern will oder ob das ernst gemeint ist. Vorsichtshalber machen wir uns um 05:00 auf den Weg und tatsächlich gibt es jede Menge Gemüse frisch aus dem Garten eines Bauern.

Samstag, 30. Juli 2011

Marquesas

2 Tage später geht es weiter nach Oa Pou (9Grad 21,5 min Süd, 140Grad 06,3min West) wo ich ein anderes Österreichisches Boot treffe, die Pokuri mit Christine und Hannes, um mich von ihnen zu verabschieden. Sie wollen oder müssen weiter nach Tonga, sie segeln wie so viele ihrem Zeitplan hinterher.

Ausgedehnte Wanderungen in die tropische Umgebung und zu Wasserfällen folgen bis wir eines Tages auf Manfred stoßen, ein Deutscher der seit 16 Jahren auf Oa Pou lebt. Er hat sich an den Hängen eines steilen Berges gemeinsam mit seiner Polynesischen Frau, sein kleines Paradies in den Dschungel gebaut. In Deutschland besaß er eine öffentliche Sauna Anlage bis sie eines Tages abbrannte, die Versicherung den Schaden nicht bezahlte, worauf hin er, nachdem er im Fernsehen einen Bericht über die Polynesischen Inseln sah, auswanderte. Hier hat er mehrere kleine Häuser errichtet, baut den Großteil der benötigten Lebensmittel selber an, brennt seinen eigenen Schnaps, den er natürlich auch verkauft, macht selber Schokolade, bäckt sein eigenes Brot, das er wiederum zum Großteil an seine Hühner, Schafe, Schweine und Ziegen verfüttert.

Er hat sich ein eigenes kleines Wasserkraftwerk gebaut indem er einfach auf eine Scheibe halbierte Schläuche montierte, die als Schaufelräder dienen. Die Wasserleitung die aus dem nahegelegenen Bach kommt bringt das Rad zum Rotieren und über einen Keilriemen und einer entsprechenden Übersetzung wird ein kleiner Generator angetrieben, der die Energie für sein ganzes Anwesen liefert. Damit das ganze auch cool ausschaut hat er einfach alles in eine alte Gefriertruhe installiert. Natürlich hat er auch eine Waffe – auch selber gebaut. Eine Pistole aus einem abgesägten Gewehrlauf, den ganzen Abzugsmechanismus aus einer uralten Waffe, alles zusammengeschweißt und vorne drauf noch einen aus einem alten Stoßdämpfer eines Autos selbstgebauten Schalldämpfer drauf. Ja und er erzählt gerne Geschichten, wenn er einmal anfängt ist er kaum zu bremsen. Nach 2 Stunden verabschieden wir uns um den Rückweg von seinem Berg durch den Dschungel noch bei Tageslicht zu schaffen.
Vor kurzem gehe ich durch ein Dorf, kommt eine junge, halbnackte diiicke Polynesierin, nur mit einem seehhhr durchsichtigen BH bekleidet, aus ihrem Haus und deutet mir ich soll mit kommen. Denke ich mir spinnt die jetzt komplett oder geht es hier wirklich so locker zu. Natürlich gehe ich mit und wie sich herausstellt, wollte sie mir nur ein paar Souvenirs und Perlen verkaufen. Die Mädels haben hier schon ordentliche Fettpakete drauf, unheimlich.

Der starke Schwell am Ankerplatz lässt mich auch hier meine Zelte bald wieder abbrechen und es geht weiter Richtung Norden nach Nuku Hiva in die Controleurs Bay (8Grad 52,8min Süd, 140Grad 02,9min West), wo der Anker auf 5 Meter Sandgrund fällt. In der Nacht wird es sehr ungemütlich. Heftige, sehr böige Winde verursachen einen enormen Schwell der dann gegen die Tide läuft und am Ankerplatz Wellen mit bis zu einem Meter Höhe erzeugt. Das Boot dreht sich oft im Kreis und ein großer Steinbrocken verursacht einen schrecklichen Lärm der durch die Ankerkette ins Boot geleitet wird. Es ist kaum an Schlaf zu denken, wilde Schaukelei, der Lärm der Kette sowie das bräunliche Wasser laden auch hier nicht zu einem längeren Aufenthalt ein. Als dann auch noch meine komplette Ankerrolle aus dem vorderen Beam gerissen wird als die Kette bei einem Felsbrocken hängenbleibt, kurzstag kommt, das Boot um 150 Grad herum schwingt und es mich fast von den Füßen reißt, weiß ich es ist höchste Zeit zum Weitersegeln. Nächstes Ziel ist die Baie de Anaho im Nordosten von Nuku Hiva (8Grad 49,3min Süd, 140Grad 03,9 min West). Und endlich schaut die Südsee wieder nach Südsee aus. Gut geschützt gegen den Schwell, klares helles Wasser, Korallenriff, viele Fische, so stelle ich mir die Südsee vor. Dazu noch im Hintergrund atemberaubend aufragende Felsen, Palmen ohne Ende, weite lange Sandstrände gemischt mit schwarzen Lavastein, eine Traumkulisse. Nur 6 sehr freundliche Familien die hier leben. Auf den Bäumen, ein wenig abseits der Häuser wachsen Mangos, Starfruit, Bananen, Orangen, Limonen, Papayas, wilder Oregano, Breadfruit, Guava, Granatapfel, Soursoup und natürlich Kokosnüsse alles einfach zum Einsammeln, ein kleines Schlaraffenland. Nur mit Gemüse schaut es mager aus. Wir finden dann doch 2 Bauern die ein wenig Landwirtschaft betreiben und wo wir Gurken, Tomaten, Salat, Peppers, Kraut, Auberginen und Petersilie bekommen.
Das größte Problem bereitet im Moment der Fisch. Fast überall in der Südsee gibt es Ciguatera. Das ist ein Gift das in gewissen Algen welche in den Korallenriffen wachsen beheimatet ist. Die Algen werden von den kleinen Fischen gefressen,die nehmen das Gift auf und es bleibt in ihren Körpern, es schadet ihnen aber nicht. Die kleinen Fische werden dann von den grösseren Raubfischen gefressen, die sammeln das Gift von den vielen kleinen Fischen, über die Nahrungskette geht es weiter bis die Fische groß genug sind dass ich sie jage und esse und dann voll mit Ciguatera bin. Leider kann der Mensch das Gift nicht ausscheiden und als Unterschied zum Fisch schadet es uns Menschen sehr wohl. Es kann neben den starken Schmerzen bis zum Tod führen. Ich habe nun eine Bitte an Euch – könntet ihr bitte recherchieren welche Fische in den Korallengebieten der Südsee man trotzdem fangen und Essen kann, welche Gebiete in Französisch Polynesien von Ciguatera nicht betroffen sind, gibt es einen Test um festzustellen ob ein Fisch Ciguatera hat?
Eine Antwort auf diese Fragen würde mein Leben hier ganz wesentlich erleichtern. Ich bedanke mich schon mal im Vorhinein für eure Hilfe.
Ein Einheimischer hat mir neulich gesagt sie verzichten komplett auf Fisch, außer wenn sie ihn am offenen Meer weit weg von den Inseln fangen. Sie Essen hauptsächlich Lobster und Oktopus. Nun das täte ich auch gerne nur so einfach sind die Viecher halt nicht zu finden wenn man die Riffe noch nicht kennt.




Sonntag, 17. Juli 2011

Erste Tage

Ich bin nur 3 Tage geblieben in der schönen Landschaft von Fatu Hiva. Die dauernden starken Fallböen und das Schwarz des Meeres haben mich weiter getrieben. Nie zu wissen ob das Boot noch da ist wenn man von einem Landgang zurück kommt, oder ob vielleicht eine extra starke Böe den Anker losgerissen hat und das Boot aufs offene Meer getrieben ist, da bleibt immer ein ungutes Gefühl das ich nicht brauchen kann. Der zweite Grund war der schwarze Lavasand des Meeresboden der die Sicht im Wasser unangenehm machte und sehr erschwerte. Also reiße ich den Anker aus dem Grund und segle die 48 Meilen zur Insel Tahuata in die nordwestliche Bucht, (9grad 54,5 min Süd, 139grad 06,3 min West) in der es herrlich hellgelben Sandgrund gibt. Ich ankere auf 8 Meter und kann jedes einzelne Sandkorn im Wasser ausmachen.
Am nächsten Tag endlich mal wieder ausgiebig schnorcheln und das Meer genießen. Und plötzlich ist ein riesiger Manta unter mir, den ich eine halbe Stunde lang bei seinen wunderbaren Gleitflügen durchs Wasser begleite. Am nächsten Morgen, die Augen noch nicht mal richtig offen, ist eine Schule von etwa 20 Delfinen in der Bucht. Also rein ins Wasser und Guten Tag gesagt zu den lieben Tieren. Ohne Scheu bleiben die Delfine hier unbeeindruckt von einem Schwimmer der sie eine Zeit lang begleitet. Am Nachmittag wird dann die in Panama neu erworbene Machete geschärft und dann geht's zum Insel erkunden ? Robinson Crusoe lässt grüßen. Bereits 40 Meter hinter dem Strandbereich verhindert dann dichtester Bewuchs ein Weiterkommen. Immerhin etwa 50 Limonen und ein paar Pampelmusen sind eingesammelt und dürfen aufs Schiff. Leider waren nirgends Bananen oder Orangen zu finden.

Irgendwann geht's dann weiter nach Atuona auf der Insel Hiva Oa. Der Ankerplatz (9grad 48,2 min Süd, 139grad 01,9min West) ist sehr eng, da in einem großen Teil hinter der Mole wegen des 120 Meter langen Versorgungsschiffes nicht geankert werden darf. Alle Boote müssen sich mit zusätzlichem Heckanker vermuren um ein Schwojen des Bootes zu verhindern und den zur Verfügung stehen Platz optimal zu nutzen. Das ist natürlich als Einhand Segler nicht ganz einfach, bei seitlichem Wind und Schwell, an Bug und Heck einen Anker auszubringen ohne dabei während der Arbeiten in ein anderes Boot zu driften.

Die offizielle Einklarierung ist angesagt. Und, oh Wunder, so was hat es schon ewig nicht mehr gegeben. Man wandert zur Gendarmerie, ein freundlicher, lächelnder Beamter drückt einem ein Formular in die Hand zum Ausfüllen, nach ein paar Minuten ist der Stempel im Pass, ein Durchschlag des Formulars wird ordentlich gefaltet und getackert und fertig. Keine Kosten alles wunderbar. Als einziges muss man jetzt noch mit dem Formular zur Post gehen, eine Briefmarke kaufen, abschlecken, draufpappen auf das getackerte Formular und ab geht's damit nach Tahiti zur Zentrale damit die Jungs wissen dass ich da bin. Ich bin jetzt also wieder mal ganz offiziell in der EU, praktisch zu Hause. Die Sprache hier ist französisch was mir nicht wirklich weiter hilft da ich das genau so schlecht spreche wie polynesisch, vielleicht lerne ich's ja noch.

Weniger nett war dann der Besuch auf der Bank. Hier gibt es eine eigene Währung, den Polynesischen Franc, also nichts mit Euro und ich wollte bzw. musste wechseln. Woraufhin mir der Mann am Schalter erklärt dass er Euro nur wechseln kann wenn ich ein Konto auf der Bank habe. Naja denke ich mir, dann eröffne ich halt ein Bankkonto, wer weiß wozu man es irgendwann brauchen kann. Ich glaube er wollte an dem Tag einfach nicht, denn seine nutzlose (oder unverschämte??) Antwort lautet ich muss mindestens 3 Jahre auf der Insel sein damit ich ein Konto eröffnen kann. Es hilft nichts, er will nicht und was soll ich tun. Also ab zum Bankomaten. Inzwischen ist mir klar geworden warum er nicht wechseln wollte. Zur Umrechnung von Euro in Polynesische Franc gibt es einen festgesetzten, starren Kurs. Alle anderen Währungen sind dem freien Markt unterworfen und die Bank kann den Kurs täglich anpassen. Auf gut deutsch heißt das für mich, wenn sie Euros wechseln verdienen sie nichts, also tun sie es erst gar nicht. Oder hat jemand von euch eine bessere Erklärung??? Gibt es einen klugen Bankmenschen der das liest und mir einen einleuchtenden Grund nennen kann warum die keine Euros (andere Währungen sehr wohl) wechseln wollen??

Also Geld ist in der Tasche und ab in den Supermarkt. Und siehe da, fast wie zu Hause. Eine große Auswahl an Käsesorten, alle möglichen feinen Spezialitäten und lange entbehrten kulinarischen Köstlichkeiten. Schnell wechseln die gerade erst erworbenen Geldscheine, die übrigens wunderschön sind, wieder den Besitzer. Die Preise sind ein wenig teurer wie in Österreich, viel teurer wie in Zentralamerika, mit Ausnahme der Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Öl, Mehl, Zucker, Salz und ähnliche Waren. Die haben ein rotes Preispickerl, sind staatlich gefördert und um einiges günstiger wie in Europa. Schinken, Speck, Joghurt und frisches Baguette wandern in den Rucksack und bald darauf in meinen Bauch. Welch ein Genuss wenn man so was lange nicht gehabt hat.
Da der Ankerplatz in Atuona nicht gerade sehr einladend ist geht es bald wieder zu einer Bucht und endlich wieder mal nach 4 Monaten zum Jagen. Nun die Ausbeute ist eher bescheiden, dafür habe ich aber viele der schönen Unterwasserkreaturen gesehen wie eine Muräne, einen Manta, einen riesigen Oktopus, Stachelrochen, und viele der bunten kleinen Fische die in großer Zahl hier schwimmen.