Mittwoch, 26. Oktober 2016

Kiribati - Marshall Islands

Der Anker ist heroben und in seiner heimeligen Kiste verstaut als ich leider nur sehr langsam, so mit 2,5 – 3 Knoten durch die Innereien von Kiribati aufs offene Meer zu steuere. Es ist einlaufendes Wasser und die Strömung habe ich wieder mal völlig unterschätzt. Zum Glück sind es nur 4 Seemeilen. Die Windrichtung passt, die Stärke auch und mit flotter Fahrt geht es Richtung Marshall Islands. Doch nur bis zum Einbruch der Nacht, dann ziehen schon wieder schwarze düstere Berge über dem Horizont auf und ich reffe vorsichtshalber. Keine Sekunde zu früh, kaum zurück im Cockpit legt der Wind schon los und mit 14 Knoten schieße ich über die Wellen, geil. Ich bin nicht auf Kurs geblieben sondern lasse mich vom Wind einfach fortwehen. Nach 15 Minuten ist der Spuk vorbei, zurück auf den alten Kurs, fast Flaute, der nächste Squall ist im Anmarsch, zieht durch, es schüttet wie aus Kübeln, zurück auf den alten Kurs, 1 Stunde Pause, dann kommen schon wieder die bekannten Wolkenformationen, Regenjacke anziehen, wenn der Wind anfängt abfallen, warten bis es vorbei ist, zurück auf alten Kurs, hoffen dass der Autopilot bei dem wenigen Wind nicht seinen Dienst quittiert, schnell hinlegen und ½ Stunde schlafen..... Das ist der Tages- und Nachtablauf für die nächsten 3 Tage. Zwischendurch halt noch schnell was kochen, essen, abwaschen, Zähne putzen und das normale Leben versuchen bei dem Geschaukel irgendwie unter zu kriegen.
Und in der Nacht immer diese elendigen Lichterhaufen – riesige Fischereifahrzeuge, also so 60 -120 Meter sind die Dinger lang, unglaublich. Dauernd tauchen sie irgendwo am Horizont auf, und da sie arbeiten ändern sie auch sehr oft den Kurs und es ist eine Kunst vorauszusehen wohin sie als nächstes ihren Bug drehen werden. Wenn es eng wird rufe ich sie auf dem VHF Radio an und frage blöd nach dem Wetter, sage ihnen wo ich bin und dann weiß ich dass der verantwortliche Oberfischer auch weiß wo ich bin und aufpasst dass ich ihm keinen Kratzer in sein Schiffchen mache.

Die Fahrt dauert einen ganzen Tag länger als geplant, aber ist ja auch egal, ich habe keine wirkliche Eile. Am Freitag in der Früh beim ersten Morgenlicht stehe ich dann endlich am Eingang zum Majuro Atoll, gemeinsam mit 2 dieser Riesenfischer. Als freundlicher Mensch lasse ich ihnen natürlich gerne die Vorfahrt. Noch knappe 20 Meilen und dann bin ich da, denke ich. Und irgendwann sind es nur mehr 7 Meilen und dann geht der Höllentanz los. Urplötzlich sind 35 Knoten am Tacho, ich falle ab und fege über die Lagune dass es nur so eine Freude ist, halt in die falsche Richtung, geht aber gerade nicht anders. Ja und dann haben so Atolle auch den Nachteil dass sie irgendwann zu Ende sind und man sollte dann besser ein Manöver machen, uiuiui das ist dann schon ein wenig stressig, besser es geht nichts schief. 4 mal sause ich quer über die Lagune, mit negativem Wendewinkel, das heißt ich schaffe nicht mal den gleichen Kurs zu halten, sondern werde nach hinten getrieben. Ich bemühe mich auch nicht besonders, mir ist lieber das Material wird geschont und ich komme halt 1 Stunde später an.

Customs antwortet natürlich nicht auf meinen Funkspruch nach dem ich an einer der zahlreichen Bojen festgemacht habe. Also schnappe ich einfach mein Zeugs, ab ins nächste Taxi (die kosten hier 75 Cent, egal wie weit man innerhalb der Stadt fährt) und ab geht’s zuerst zu Customs und dann zur Immigration. Da gibt es erst mal ein kleines Problem da mir der Beamte nur 3 Monate Aufenthaltserlaubnis geben will. Nach einiger Diskussion holt er dann immerhin sein schlaues Büchlein und schaut wegen der gerade gültigen Vorschriften nach, kommt zurück und sagt, ist ok ich kann 1 Jahr bleiben. Jetzt bin ich baff, schnappe mein Zeug und raus hier. Laut meinen Infos sind für ein 1 Jahres Visum 200,- US$ zu bezahlen, da bin ich aber gar nicht böse. Allerdings sind mir in den letzten 2 Tagen doch leichte Zweifel gekommen, denn normalerweise wird eine verlängerte Aufenthaltsdauer immer irgendwo im Pass beim Stempel vermerkt, nur bei mir steht nichts dabei. Soll ich es jetzt einfach dabei belassen? Oder noch mal hin gehen und nachfragen und um Eintrag der Aufenthaltsdauer bitten? Denn was passiert wenn ich in ½ Jahr hier ausreise und der dann Zuständige sagt, hey du warst aber jetzt mehrere Monate illegal im Land, das wird teuer. Was würdet ihr machen?

Wo ich gerade bin, wie immer unter www.shiptrak.org und bei callsign kc2unj eintragen

Montag, 17. Oktober 2016

10 Tage nackt .......

Wie sollte es auch anders sein. Ankunftszeit Freitag 08:45 und sofort per Funk die Behörden verständigt und alles in die Wege geleitet für die Stempel-Prozedur. Und tatsächlich schaffe ich es noch am gleichen Tag, um 16:04, also ganze 11 Minuten vor dem Bezahlen von Überstundenzeit habe ich alle Stempel in den Papieren.

Hier bleibe ich nicht lang. So einen Saustall, einen Dreck und komische Leute habe ich noch nie erlebt. Speziell nach Vanuatu, wo die Dörfer durchwegs sehr sauber waren und alles gepflegt wurde ist es besonders auffällig.
Es ist Montag und ich habe gerade wieder ausklariert. Das tu ich mir nicht an, das brauche ich nicht, das will ich nicht. Weg von hier.
Mein nächstes Ziel heißt Marshall Islands. Es ist Montag nachmittags und in 2 Stunden werde ich hier ablegen, voraussichtliche Ankunftszeit Donnerstag 20.10.. Die Wettervorhersage ist soso lala. Windtechnisch sollte es gut sein, regentechnisch nicht so ganz, ich werde sehen wie es kommt.

Wie es sich gehört habe ich meinen Körper während der Fahrt hierher in selbstloser Weise der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Von den 11 Tagen war ich praktisch 10 Tage nur nackt, Tag und Nacht. Und es ist kaum zu glauben. Die Studie liefert ein völlig überraschendes Ergebnis. 10 Tage nackt in tropischer Sonne = Sonnenbrand am Hintern.

Bis in ein paar Tagen, dann von den Marshalls
machts gut derweil
Chico

Samstag, 15. Oktober 2016

Vanuatu - Kiribati Tag 10

Endlich, endlich dreht der Wind auf Suedost, so wie es eigentlich sein sollte. Seit dem dritten Tag segle ich nur hart am Wind, immer so dass der Autopilot es gerade noch schafft auch wenn mal groessere einzelne Wellen das Schiff ordentlich verdrehen. Ich kann also direkt Kurs auf Tarawa, Kribati, anlegen. Zwischenzeitlich hatte ich schon mit dem Gedanken gespielt Kiribati einfach aus zu lassen und sofort nach Majuro, Marshall Inseln, zu segeln. Da muss man sich aber wieder 72 Stunden vorher anmelden und da mein Funk nur gelegentlich funktioniert, habe ich den Gedanken wieder verworfen. Am Abend kommt dann ein Toelpel angeflogen und macht es sich am Dingi gemuetlich. Dort verbringt er auch die ganze Nacht, wundert sich nur manchmal was ich da imemr so an den Schnuerdeln ziehe und warum ich so einen Laerm mit der Winsch mache, ansonsten verhaellt er sich ruhig und putz sich sein Gefieder.
Heute morgen dann der Blick auf den Tacho, noch 77 sm. Das geht sich bis zum Sonnenuntergang niemals aus bei einem Kurs hoch am Wind. Also reduziere ich mein Tempo so dass ich morgen, Freitag in der Frueh ankomme. Zweite Reff im Hauptsegel und 1. Reff im Vorsegel und mit gemaechichen 4 Knoten schippere ich dem morgigen Tag entgegen.

Vanuatu - Kiribati Tag 11

Und ploetzlich war wieder Windstille. Noch 33 Meilen bis nach Betio im Tarawa Atoll, der Hauptstadt von Kiribati. Da hilft alles nichts, es ist Nacht von Donnerstag auf Freitag und wenn ich heute noch einklarieren will, dann muss ich bis spaetestens mittags angekommen sein, sonst heisst es das ganze Wochenende warten, also Motor starten und den Rest der Strecke wird motort.
Und am Vormittag komme ich dann auch tatsaechlich an. Und eines ist auch klar, das ist so ein richtiger Hafen wo man ueberhaupt nicht sein will. Ich ankere zwischen zusammenbrechenden Frachtern und Fischern im Hafenbecken. So eine Ansammlung von Dreck und Rost und Schiffswracks ueberall verstreut habe ich noch nie gesehen, furchtbar. Ich fuehle mich sofort unwohl. Bin schon gespannt wie das mit den Offiziellen hier wird.