Freitag, 16. Dezember 2011

Moorea - Huahine



Moorea, die Nachbarinsel gefällt mir wesentlich besser als Tahiti. Hier ist nicht viel zu merken vom Großstadtmief, ungezählten Autos, Lärm und Hektik. Wir legen uns in die Opunohu Baie auf der Nordseite, ganz in die Nähe des Hilton Hotels. Solche Hotelanlagen haben immer den riesigen Vorteil dass in deren Umgebung kleine Firmen sind und mit ein wenig Glück kann man dann ein ungesichertes Wifi Netz erwischen und somit gibt es wieder mal freien Internetzugang. Wir machen uns auf die Socken, denn laut Touristenprospekt soll es hier schöne Wanderungen in die steil aufragenden Berge geben. Endlich geht's wieder mal einen Berg rauf, wunderbare Aussichten, Natur pur. Alle anderen Touristen die wir treffen sind entweder mit Vespa, Quad oder im Touristenbus unterwegs, keiner wandert.
Am zweiten Tag nehmen wir uns den Mount Rotui vor, der mit seinen 899 Metern steil aus dem Meer direkt vor unserem Ankerplatz aufragt. Es ist nicht einfach den Weg zu finden, 2 mal gehen wir die Straße auf und ab bevor uns ein Einheimischer den Beginn des Weges zeigen kann. Kaum einer von denen war jemals da oben und wie man bei der Hitze freiwillig da rauf gehen kann verstehen sie ohnehin nicht. Über ein verlassenes Grundstück und einen steilen schmalen Pfad führt der rutschige Geröllboden aufwärts. Immer wieder kurze Felsstücke die man klettern muss, mühsam geht es voran. Irgendwie zweifle ich schon daran ob wir hier richtig sind, das ist kein Weg sondern höchstens ein paar verlaufene Ziegen oder Schafe kommen hier noch voran. Und das andere was mich beschäftigt ist das Schuhwerk. Voll vertrauend auf einen Wanderweg habe ich wie üblich meine Crocs an. Die wiegen nichts, sind angenehm, halten viel aus und haben bis jetzt noch immer gereicht. Hier sind aber die Grenzen erreicht. Oft rutsche ich wieder rückwärts, es gibt keinen Halt. Ohne das Gestrüpp am Rand des kaum erkennbaren Pfades wäre es schon lange vorbei. Bei einer kleinen Pause muss ich über mich selber lachen wie dumm man sein kann. Früher haben wir über die hauptsächlich aus Deutschland und Holland stammenden Touristen gelacht wenn sie mit Halbschuhen oder Sandalen von der Bergrettung aus unwegsamen Gelände gerettet wurden, heute bin ich genau so fahrlässig unterwegs.

Müde und erschöpft kommen wir wieder am Boot an und ich schmeiße mich ins glasklare, nur 4 Meter seichte Wasser. Durch die Taucherbrille sehe ich eine große Conch, dann noch eine und eine Dritte. Wenn das kein wunderbares Abendessen wird. Also runter und die lieben Tierchen eingesammelt. Fachmännisch wird die harte Schale mit der Flex zwischen zweiter und dritter Rille aufgeschnitten. Da fährt man dann mit einem flexiblen Messer rein, schneidet den Muskel durch mit dem sich die Conch in ihrem Gehäuse festhält, zieht das ganze Tier an seinem Horn heraus und schon hat man einen großen schleimigen Brocken Fleisch mit allen Innereien und anderen Bestandteilen vor sich. Ein wenig dran geschnipselt, die harte Haut weg gemacht und ausgezeichnetes weißes Fleisch bleibt übrig. Man beachte bitte auf dem Foto die Sicherheitsbrille und die ausgefeilte Festhaltetechnik mit der großen Zehe beim aufflexen des Gehäuses.
Nach ein paar Tagen beschließen wir den perfekten Wind auszunutzen und die 100 Seemeilen zum nordoestlich gelegenen Huahine zu segeln. Am Abend segeln wir los und pünktlich zum Mittagessen fällt der Anker. Hier gefällt es mir, eine schöne große Bucht, sandiger seichter Ankergrund, nicht weit zum Strand, angenehme Atmosphäre, ein kleines Dorf mit guter Versorgung, was will man mehr. Und bei den Wanderungen wird Obst gesammelt ohne Ende. Schwer beladen mit vollem Rucksack ist der Heimweg meistens mühsam. Dafür gibt es endlich mal wieder Obst in Hülle und Fülle. 2 Bananenstauden, Limonen, Ananas, Papayas und vor allem Mangos ohne Ende machen es sich auf der CHI gemütlich. Es muss was getan werden. Bevor alles verfaulen kann wird frische Marmelade in den unterschiedlichsten Varianten eingekocht. Und als die Gläser alle voll sind und sich das Obst noch immer türmt wird die schon oft diskutierte Weinproduktion gestartet. Es wird in Zukunft also Mango Wein von der CHI geben. Sobald die ersten trinkbaren Ergebnisse vorliegen wird berichtet.
Jeden Tag nach dem Frühstück lade ich meine Emails runter, sehe mir den Wetterbericht an und es ist plötzlich Nordwind vorhergesagt. Das ist die Chance um wieder nach Tahiti, bzw. später weiter zu den Tuamotus zu segeln. Wir verlassen also das wunderbare Huahine nach nur einer kurzen Woche wieder.

Samstag, 26. November 2011

Tahiti

Tahiti – oder besser Papeete, die Hauptstadt Tahitis, ist unser nächstes Ziel.




Seit ich die Abenteuerbücher der Weltumsegler lese, sehe ich immer das Bild der geankerten Yacht mit dem Heck zum Kai in Papeete vor mir. Es ist immer das gleiche Bild, in allen Büchern, und so will ich auch ankern. Leider sind die guten alten Zeiten vorbei. Die armen Schlucker will man nicht mehr in der Stadt haben. Entweder man geht an die neu errichteten Stege der Stadt Marina, oder man kann vor der Marina Taina ankern, die etwa 5 Seemeilen vom Zentrum entfernt, südlich des Faa'a Flughafens liegt. Dort wo ich hin wollte dürfen sich nur mehr die Cruiseliner und Mega Yachten hinstellen, die bringen Kohle und passen besser ins Stadtbild.
Ankerplatz ist auch keiner zu finden, jedenfalls keiner unter 15 Meter Wassertiefe und mehr packt meine Ankerwinsch nicht, also versuche ich es mit einer freien Boje. Am nächsten Tag selbstverständlich sofort ins Marina Büro und melden dass ich an der Boje bin, da erfahre ich dass ich eine private Boje erwischt habe. Na auch gut, brauche ich wenigstens nicht zu bezahlen. Und wenn der Eigentümer kommt kann ich immer noch wegfahren. Nach ein paar Tagen finde ich dann doch einen inzwischen frei gewordenen Ankerplatz an einer seichten Stelle und wechsle sofort bevor er wieder belegt ist.
Die Autofahrer in Tahiti haben es sehr einfach. Vorne ist eine weiße Nummerntafel, hinten eine gelbe. Wenn sie also besoffen zu ihrem Auto kommen, können sie auf einen Blick feststellen in welche Richtung vorne ist – sehr weitsichtig. Und das Nummernsystem ist auch ganz einfach – fortlaufend. Derzeit sind sie so bei Nummer 235 000, wenn man also ein Auto z.B. mit der Nummer 103 456 hat weiss jeder sofort dass das ein alter Kuebel ist.
Frank und Dörte die wir mit ihrer „Elan“ schon des öfteren getroffen haben, nehmen uns in ihrem kleinen 4x4 Mietwagen mit zu einer Fahrt quer durch die Insel. Wir gleiten durch wunderschöne, atemberaubende Landschaft immer höher hinauf in die Berge Tahitis. Der höchste Vulkankegel erreicht rund 2200 Meter, also schon fast wie zu Hause. Allerdings wächst auch ganz oben der Dschungel noch saftig grün. Längst haben wir das schwarze Asphaltband verlassen und der Jeep hoppelt über und durch Löcher bei denen ich mich manchmal frage ob wir da wieder raus kommen.
An einem kleinen Kratersee wird Rast gemacht bevor es auf der Nordseite wieder runter geht, auf ebenso abenteuerlichen Straßen, durch Wasserläufe, über kleinen Brücken die wir vorsichtshalber zu Fuß abgehen weil die verbliebenen Teile nicht wirklich vertrauenerweckend aussehen. Irgendwann sind wir dann doch wieder auf Asphalt und als es durch ein kleines Dörfchen mit 5 Häusern geht, ist die Straße plötzlich blockiert. 3 dicke Mamas sitzen in ihren billigen Plastiksesseln mitten auf der Straße und hinter ihnen eine Kette über die Fahrbahn, die ein weiterkommen sicher verhindert. Nach kurzem Geplauder steht fest dass wir für die Straßenbenutzung zahlen sollen. Nun Frank fackelt nicht lange, holt das Telefon heraus und ruft die Polizei an. Wegelagerei wie im tiefsten Mittelalter, das entspricht nun so gar nicht dem Klischee einer touristischen Südsee Insel. Leider erfahren wir von der Polizei dass die guten Leutchen wohl im Recht sind und dass das eine Privatstraße ist. Wir haben keine Lust uns erpressen zu lassen, vor allem da die „Maut“ fast gleich teuer kommt wie der Mietwagen, wenden das Fahrzeug und über Stock und Stein geht es wieder zurück quer durch die ganze Insel.
Wenigstens finden wir am Rückweg dann noch eine schöne Bananenstaude die auf unsere Boote übersiedeln darf, nachdem Frank der „Bananakiller“ die ganze Staude einfach umreißt.
Am Tag darauf kommt früh morgens ein großes Dingi mit 4 Beamten von der Zollkontrolle vorbei.
Sie wollen feststellen ob wir Alkoholschmuggler sind und fragen nach unseren flüssigen Vorräten. Brav gebe ich ihnen Auskunft, sage vorsichtshalber ein paar Liter mehr, alles wird oberflächlich durchsucht, ein Protokoll geschrieben und nach einer längeren Diskussion, von der ich nicht allzu viel verstehe, machen sie sich wieder aus dem Staub. Soweit habe ich aber mitbekommen, dass einer der Beamten eine Strafe einheben wollte, weil ich doch so ca. 45 Liter Schnaps (Rum, Wodka,...) an Bord habe, und das dann doch ein wenig mehr als die erlaubten 5 Liter je Person ist.
Weniger Glück haben meine österreichischen Freunde Veronika und Herwig von der Segelyacht Alchemist. Sie vergessen den Beamten zwei Kartons mit Sekt anzugeben und als die das entdecken, werden sie ungemütlich. Das Boot wird komplett bis in den allerletzten Winkel durchsucht, alles was mehr als das Erlaubte ist wird weggesperrt und versiegelt, und am Beginn der „Gebührenverhandlungen“ steht eine astronomische Summe die zu zahlen wäre. Schließlich lassen die Beamten dann doch noch ein wenig mit sich reden und am Ende des Tages wechseln rund 1.000,-- Euros den Besitzer wegen Zollvergehens. Das schmerzt enorm, vor allem da ja keine Absicht dahinter steckt wirklich was zu schmuggeln.
Also auch hier gibt es Beamte wie überall auf der Welt, die halt von Zeit zu Zeit ihre Erfolgserlebnisse und ihre Existenzberechtigung brauchen. Blöd ist es halt nur wenn es dich gerade erwischt.

Viel Spass zu Hause mit dem ersten Schnee
Chico



Freitag, 21. Oktober 2011

Tuamotus - Tahiti




Langsam wird es Zeit die Vorräte, vor allem an frischem Gemüse und Obst, wieder mal aufzufüllen und wir machen uns auf den Weg ans Nordende von Fakarawa. Wunderbares Segeln bei Flachwasser und perfektem Wind in der Lagune mit atemberaubenden Farbspielen machen den fünfstündigen Weg zum shopping zu einem Vergnügen. Ja und in dem kleinen Laden staunen wir dann nicht schlecht als wir Woerle Käse aus Henndorf finden. Kein guter, nur so ein einfacher Weich-Streichkäse, aber selbstverständlich wird er trotz des exorbitanten Preises sofort gekauft. Ist ja klar dass wir die österreichische Wirtschaft unterstützen wo es nur geht.

Als wir zu unseren Dingis zurück kommen, merken wir dass das Staufach beim Dingi von Heinz und Andrea offen ist und alles fehlt. Werkzeug, Ersatzkanister mit Benzin, Reserve Zündkerze, Scherstifte und andere Kleinigkeiten sind weg. Kein wirklicher finanzieller Schaden, nur das Gefühl das man hier auch schon alles absperren muss bleibt. Andrea geht zur Polizei und keine 10 Minuten später sind die Übeltäter auch schon gefasst. Zwei 9 jährige Lausbuben haben das Fach ausgeräumt und alles ins Wasser geschmissen. Es gibt eine ordentliche Predigt vom Polizisten, zu Hause wahrscheinlich (hoffentlich) eine gscheite Watschn, die Mutter des einen ist völlig fertig wegen der Früh Kriminalität des Sprösslings, ersetzt den Benzin und damit ist für uns das Thema erledigt. Nach 2 Tagen geht es weiter nach Tahiti.

Kurz hintereinander verlassen wir das wunderbare Atoll und segeln bei sehr angenehmen, leichtem Wind los. Ich habe trotz des leichten Windes ein Reff eingebunden weil ich nicht zu früh, oder besser gesagt nicht in der Nacht ankommen will. Es sind ca. 250 Seemeilen, für mich also weniger als 2 Tage und ich will nicht vor 6 Uhr morgens die Südspitze von Tahiti erreichen. Damit ist ein sicheres Einlaufen und vor allem auch ein schöner Anblick beim Erwachen des Tages gesichert. Am Südwest Zipfel steht ein ordentlicher Schwell mit guten 3,5 Metern und die Wellen donnern über das schützende Außenriff. Gleichzeitig weht der Wind vom Land und der Anblick nimmt mir den Atem. Meterlange Gischtfahnen wehen von den riesigen Wellenbergen als ich in sicherem Abstand daran vorbei segle. Nur bei der Einfahrt in den Pass, die zwar nicht schwierig ist, aber wenn links und rechts in nur jeweils 20-30 Meter Entfernung diese Wellen brechen und ihre Gischt in den Himmel werfen da schlägt das Herzerl dann schon um einiges schneller.
Das erste Ziel ist auf der Südseite, genau in dem Einschnitt zwischen Tahiti Nui und Tahiti Iti, der großen und der kleinen Tahiti Insel. Ein wunderbarer Ankerplatz erwartet uns, ebenso wie 2 Wale die nur wenige Meter neben uns ihre riesigen Flossen aus dem Wasser heben. Leider kann ich nicht mehr Fotografieren, weil meine Kamera den Geist aufgegeben hat. Allmählich habe ich die Nase voll davon alle halbe Jahre eine neue Kamera zu kaufen.

Endlich wieder mal ein Supermarkt mir einer Auswahl die man durchwegs mit heimischen Standards vergleichen kann. Ja und dann dieses wunderbare Schild mit dem großen, gelben M auf rotem Hintergrund, ein McDonald. Sofort ist klar wo heute gespeist wird und ebenso schnell werden wir enttäuscht. Der Parkplatz wird noch asphaltiert und die Außenanlagen fertig gestellt. Es dauert noch ein paar Tage bis hier eröffnet wird.

Vor wenigen Tagen dann der Schock. Auf Nuku Hiva (Marquesas) ist ein deutscher Segler ermordet worden, zerstückelt und verbrannt, vielleicht auch gegessen. Letztes mal habe ich noch über den nicht allzu lange zurück liegenden Kannibalismus gewitzelt, jetzt sieht es aus als wäre er auf schreckliche Weise zur Wirklichkeit geworden. Seine Lebensabschnittspartnerin wurde an einen Baum gefesselt, entkleidet, bei der versuchten Vergewaltigung kann sie sich dann zum Glück befreien und entkommen. Für die Einheimischen ist so etwas einfach unfassbar, denn Gastfreundschaft gehört zu den Höchsten aller Tugenden. Und so eine schreckliche Tat, oder ähnliches, ist noch nie vorgekommen. Als ich im Supermarkt zur Zeitung greife und Stefans Bild erkenne, werde ich sofort angesprochen und ich merke wie sie sich fast bei mir entschuldigen wollen. Inzwischen sind die Ermittlungen soweit abgeschlossen dass Heike auf alle Fälle nach Hause fliegen darf. Sie kommt am Donnerstag nach Tahiti und fliegt danach umgehend nach Deutschland weiter. Der Täter wird fieberhaft auf ganz Nuku Hiva gesucht, und zwar von der ganzen Bevölkerung. Die wollen ihn haben bevor die Polizei ihn kriegt. Die Polizei ruft die Leute auf sich zu beruhigen und falls sie ihn finden nur ja nichts zu unternehmen außer ihn auf der nächsten Dienststelle abzuliefern. Das wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Der Täter kann sicherlich eine gewisse Zeit in den dschungelartigen Wäldern verschwinden. Er ist ein geübter Jäger, findet überall zu Essen und Wasser, aber das kann er nicht ewig durchhalten.

Mit dieser traurigen Meldung lasse ich es für heute,
bis zum nächsten Mal
Chico



Dienstag, 11. Oktober 2011

Fakarawa

Was in der extrem schönen Lagune im Bereich des Südpasses von Fakarawa sofort auffällt, sind die vielen Haie. Dauernd schwimmen so zwei bis sechs Schwarzspitzen Haie ums Boot. In den ersten Stunden etwas gewöhnungsbedürftig, aber irgendwann gehören sie einfach genau so dazu wie die anderen 'ungefährlichen' Fische.
Bei der Tauchschule erkundigen wir uns wegen der Strömungsbedingungen, da diese oft sehr unterschiedlich sein können. Nicht nur einlaufende oder auslaufende Strömung, sondern auch in verschiedenen Tiefen unterschiedlich stark oder unterschiedliche Richtungen, oder an einem Ufer einlaufendes am anderen auslaufendes Wasser. Und dann geht’s auch schon an das Außenriff. Wir schmeißen uns ins Wasser und lassen uns von der Strömung langsam nach innen treiben. Es ist als ob man schwebt und das Riff wird unter einem durchgezogen. Hier gibt es keine scheuen Fische, niemand kümmert sich um uns Schnorchler. Riesige Napoleon Fische, ganze Schulen von Barrakudas (so 30-40 Stück), hunderte von Doktorfischen, Snappern und Grouper und alle nur erdenklichen bunten kleinen Rifffische. Und dann kommt auf einmal ein riesiger Haufen von Haien. Zu schnell treibt uns die Strömung vorbei und es ist klar das nächste mal geht’s mit dem Tauchgerät rein. Dann kann man sich irgendwo ins Riff Hängen und die Haie in Ruhe beobachten. Und genau so machen wir es auch. Am nächsten Tag bei passender Strömung sind wir im Kanal und bleiben bei den Haien. Der Versuch die ganze Meute zu zählen scheitert kläglich, es sind zu viele. Unsere Schätzungen liegen irgendwo zwischen 100 und 200 Haien, gleichzeitig an einem Fleck!!! Und die lieben Tiere kommen nahe, sogar sehr nahe. Bis auf zwei Meter kommen sie ran, automatisch vergisst man zu atmen, dadurch sind dann auch keine Luftblasen mehr und sie kommen noch näher. Einfach irre. Und es sind auch Opfer der Angler dabei, so hängt einem ein großer Fischköder locker aus der linken Unterlippe (wie wenn er eine Tschick rauchen würde), ein anderer wird sofort 'scarface' getauft, wegen seiner Narben überall. Das scheint wohl der Raufbold der Truppe zu sein. Völlig gelassen und ruhig umkreisen sie uns, sind unter uns und über uns, daneben, davor und dahinter, einfach Haie überall. Bis allmählich die Luft ausgeht bleiben wir unten und bestaunen die eleganten Schwimmer. Und am nächsten Tag wieder , und am übernächsten Tag wieder, einfach faszinierend.




Als wir am Nachmittag ans Außenriff gehen, vielleicht ist ja was interessantes angeschwemmt worden, liegt da tatsächlich ein Schiff am Riff. Komisch das war gestern noch nicht da. Niemand zu sehen, wir waten durch die Korallen des inneren Riffgürtel bis wir an der Riffkante beim Havaristen sind. Niemand ist da, ein 140PS Suzuki Außenborder hängt am Heck, ohne Abdeckung, sonst fehlt so ziemlich alles. Kurz darauf kommt ein Helfer der Tauchschule an geschwommen, der normalerweise als Boot Captain arbeitet. Ihm ist der Motor abgestorben, nicht mehr angesprungen und das Tauchboot ist aufs Riff gedriftet. Zu viert schieben und ziehen wir das schwere Ding etwa 400 Meter über das Riff. Die einzige Möglichkeit es wieder ins tiefe Wasser zu bekommen. Wenn eine Welle über das Riff schwappt, wird das Boot ein paar Zentimeter angehoben und wir können es wieder ein kleines Stück vorwärts bewegen. Und tatsächlich nach mehreren Stunden brutal harter Arbeit, aufgeschürften Füssen und Händen, blutig und völlig fertig, erreichen wir die Tauchschule. Mit ein paar Bier und ein paar Litern Benzin bedankt sich der junge Kapitän und bringt uns noch zu unseren Booten zurück. Für die nächsten Tage ist Schonung angesagt und vor allem Heilung der Wunden damit nur ja nichts zu eitern beginnt.

Einer alten Österreichischen Tradition folgend haben wir jetzt auch den Montags Kino Abend eingeführt. Wir treffen uns am Schiff von Herwig und Veronika, der SY Alchemist, und natürlich gibt es Kino aus der Heimat – Die Piefke Saga – steht am Programm, das passt einfach perfekt zur Südsee.

Aufpassen müssen wir beim Jagen, denn die Haie reagieren sofort auf die wilden Zuckungen wenn man einen Fisch schießt. Man hat selten mehr als eine halbe Minute Zeit dann kommen schon die ersten daher geschossen und wollen sich ihren Anteil holen. Einer kommt Heinz so nahe, dass er ihm beim Angriff auf den an der Harpune hängenden Fisch mit seiner Schwanzflosse die Tauch- Flosse weg schlägt. Heinz kümmert sich natürlich zuerst um seine Flosse und als er einige Sekunden später wieder alles unter Kontrolle hat, ist der Hai und mit ihm der eben geschossene BarJack verschwunden.

Ich habe euch versprochen dass ich weiter über die Knochenfunde berichten werde und hier ist also das Ergebnis der mühsamen Nachforschungen. Mit Sicherheit weiß niemand etwas genaues. Die Vermutungen der Locals gehen in 2 Richtungen. Die einen sagen dass die Knochen von einem alten Grab auf der Insel stammen, das bei einem heftigen Sturm aus geschwemmt wurde und die anderen meinen, dass es die Knochen eines Ehepaares sind, die aus dem Dorf verstoßen wurden, dann auf der kleinen Insel gelebt haben und dort eben auch gestorben sind. Aber wie gesagt, nichts genaues weiß man nicht und es ist auf alle Fälle eine schöne Geschichte und es sieht auch gruselig aus.

Macht's gut
Euer Chico



Samstag, 17. September 2011

Tahanea




Als erstes muss ich mich heute mal dringend bei meinen Lesern für die vielen Hinweise zum Problem Ciguatera bedanken. Ich werde jetzt auf alle Fälle versuchen irgendwie das Mittel Manitol aufzutreiben. Falls was passiert dann kann man wenigstens sofort eine Erstbehandlung machen bis man zum nächsten Krankenhaus kommt, was ja mitunter ein paar Tage dauern kann. Bevor ich an einem neuen Platz Fisch schieße frage ich jetzt immer die Einheimischen ob man hier Fisch essen kann und falls ja, welche Arten.

Das bringt mich dann auch sofort, anlässlich eines zum Glück gut ausgegangenen Zwischenfalls, zum nächsten Hilferuf. Auf der Fahrt von Raroia nach Tahanea überhole ich gerade meine Freunde von der YabYum und bin nur wenige Meter an deren Steuerbord Seite. Natürlich wird geblödelt, gefilmt und Fotos gemacht anstatt auf das Meer zu schauen. Was soll hier auch schon sein?? Auf einmal ein Riesen Schreck und nur 4-5 Meter an deren Backbordseite rauscht eine mehrere Meter hohe Wetterboje vorbei, oder besser gesagt wir rauschen an der Wetterboje vorbei. Meine Frage nun an euch, gibt es irgendwo ein Verzeichnis mit den Koordinaten der Wetterbojen weltweit, oder zumindest für den Pazifik? Leider sind die Dinger nicht in den Seekarten eingezeichnet und da drauf zu donnern ist bestimmt nicht lustig.

Von Raroia ging es also zunächst zum Tahanea Atoll wo ich die Zeit für die Einfahrt durch den Pass haargenau erwische. Wie geplant 1 Knoten mitlaufende Strömung gewährt eine sichere Durchfahrt. Am Südende des Atolls suchen wir uns eine passende Insel und verbringen schöne Tage mit Jagen und Tauchen. Wir bleiben nicht allzu lange, wir wollen weiter nach Fakarawa. Doch die Distanz von ca. 140 Seemeilen macht es leider notwendig um 03:00 in der Nacht Tahanea zu verlassen, damit die Ausfahrt möglich ist und auch die Einfahrtzeit für Fakarawa passt. Und um 03:00 in stockfinsterer Nacht durch den Pass zu segeln bedarf dann doch einiger Überwindung. Ich sitze am Nachmittag einige Stunden am Nordwestufer der Durchfahrt und beobachte die Strömungen und Wellenbildung im Fahrwasser, notiere mir geistig wo zuerst eine Änderung passiert, versuche mein timing vorauszuberechnen und mir alle Details der Durchfahrt einzuprägen. Wenn man drinnen ist und man hat sich vertan, dann hilft wahrscheinlich nur mehr Glück und sich darauf zu verlassen ist mir zu wenig.
Die Stunden am Ufer haben sich ausgezahlt, mit ganz leichter, fast unmerklicher Gegenströmung schleiche ich durch den Pass. Das linke Auge ist auf den Computer geheftet, das rechte Auge versucht das Ufer zu erkennen, zwecklos es ist zu finster ohne Mond und mit bedecktem Himmel. Ich versuche so genau wie irgend möglich am alten track der Einfahrt zu bleiben, ausgenommen 2 Stellen die ich wegen der Wellenbildung weiter südlich fahre.
Unterwegs geht es dann mit guter Fahrt voran. Der Wetterbericht hat 16 Knoten Wind versprochen, leichte Welle bringt angenehmen Schub und ich kann die Geschwindigkeit gut auf die Einfahrtzeit für den Fakarawa Südpass abstimmen. Die Windrichtung passt hervorragend und ich entscheide mich dafür einfach durch den Pass zu segeln.
Mit 4 Knoten geht es hinein und sofort beschleunigt das Schiff auf 6 Knoten, alles ist entspannt und leicht steuerbar, bis zur Tauchschule die sich mitten im Pass befindet. Dort ist dann ein schönes Riff mitten in der Durchfahrt, man muss also links abbiegen und gleichzeitig reduziert sich die Wassertiefe von ca. 25 Meter auf unter 3 Meter. Die ganze Wassermenge muss nun durch das eher seichte Wasser und dadurch erhöht sich die Strömungsgeschwindigkeit ganz enorm und bevor ich mich recht versehe habe ich 8,5 Knoten auf dem Tacho und das Riff genau vor mir. Um Haaresbreite ziehe ich in eleganter Linie daran vorbei. Das Adrenalin rinnt mir fast zu den Ohren raus. So schnell kann es gehen, jeder Pass hat seine eigenen kleinen Macken und man darf nur ja nie glauben man kennt sich aus. Auf die Änderung der Wassertiefe und die damit verbundene Zunahme der Strömung habe ich nicht geachtet. Als am Abend ein anderes Seglerpaar, das während meiner Durchfahrt gerade in der Tauchschule war vorbeikommt und zu mir sagt „it looked so cool when you where rushing through the entrance today, with full sails up“ war mein Kommentar dazu nur „i think it was more like being stupid“.

Unsere Boote ankern auf 4 Meter Tiefe im türkisgrünen (oder heißt es türkisblauen?) Wasser, ok ich schreibe also im türkisfarbenen Wasser. Es schmerzt fast in den Augen so schön ist es hier und ohne Sonnenbrille ist es nicht auszuhalten. Der erste Weg am nächsten Tag – Insel erforschen, wie üblich.
Das Wasser zwischen den Inseln ist so seicht dass man von einer Insel zur nächsten waten kann. Und auf einer sehr kleinen, keine hundert Meter im Durchmesser messenden Insel, verschlägt es uns dann doch die Sprache. Unter einem Gebüsch finden wir einen kompletten Totenkopf, den Unterkiefer eines zweiten Menschenschädels und etwa ein Drittel der restlichen Gebeine eines Menschen. So ein Fund ist natürlich ein Paradies für Spekulationen, Theorien werden aufgestellt, wieder verworfen, letztlich bleibt dann doch die Frage – soll man den Fund den Behörden melden?? Nun wir entscheiden uns dagegen, erstens sind das keine neuen Knochen, zweitens sind wir nicht die Ersten die auf der Insel waren, sondern zumindest wöchentlich kommen Segler oder Gäste der Tauchschule auf diese Insel, und schließlich kriegt man hauptsächlich eine Menge Ärger wenn man mit so was zur Behörde läuft. Aber wir bleiben dran und unsere Spione sind drauf angesetzt, ich werde wieder berichten sobald die Resultate der Recherchen vorhanden sind, versprochen.
Übrigens die Zeit des Kannibalismus ist hier auch noch nicht so lange her wie ich inzwischen erfahren habe.

In der Zwischenzeit macht es gut zu Hause
Euer Chico

Donnerstag, 8. September 2011

Tuamotus - Raroia

Die ersten Tage in diesem Atoll von Raroia vergehen wie im Fluge. Es gibt eine Menge zu tun.
Als erstes natürlich muss ein vernünftiger Platz für eine Grill Stelle ausfindig gemacht werden. Danach ein paar Palmen als Sitzgelegenheit heranschleppen, alles säubern und aufräumen, und als wir eine noch funktionsfähige Boje am Außenriff finden machen wir uns sofort daran eine Hafenanlage für unsere Dingis zu bauen – man hat ja sonst nichts zu tun.
Ein unentwegtes Thema ist die Versorgung mit Essen. In den Tuamotus gibt es so gut wie kein Obst oder Gemüse zu kaufen, es sei denn man kommt zufällig am Tag nach dem der Kopraschoner (die heißen noch immer so obwohl sie längst nicht mehr segeln, sondern moderne Frachter mit Kabinen für den Personentransport sind) die Lebensmittel abgeladen hat, im Dorf an. Nun wir sind nicht beim Dorf und noch haben wir Vorräte von den Marquesas. Allerdings Fleisch oder Huhn ist auch Mangelware und da wir nicht wissen ob wir hier den Fisch essen können (wegen Ciguatera), versuchen wir Oktopus, Lobster und Austern zu finden. Gleich am ersten Tag können wir 3 Oktopusse fangen, am nächsten Tag gibt's frische Austern nur mit den Lobstern haben wir kein Glück. Wir bauen uns also die ultimative Lobsterfalle und nach mehreren konstruktiven Sitzungen die mit reichlich Bier unterstützt wurden, haben wir den Plan fertig. Eine alte Hofer Plastikklappbox ist der Käfig, darauf kommt ein Deckel, das ganze umgedreht also als Boden und eine Seite der Klappbox wird mit einer meisterhaften Konstruktion so gebaut, dass die Lobster zwar hinein aber nicht mehr hinaus spazieren können. Dann einen Haufen Essensreste hineingepackt und schon wandert die Box ein paar Meter unter die Wasseroberfläche in die Nähe mehrerer Korallenblöcke.

2 Seemeilen von unserem Standort entfernt liegt eine Perlenfarm. Die Tuamotus sind das weltweit größte Zuchtgebiet für die Südsee Perle. Wir machen uns auf den Weg und stehen kurz darauf vor dem Eingangstor der Farm. Eine über ihr ganzes Gesicht strahlende, mit kurzer Hose und einem dreckigen T-Shirt bekleidete Polynesierin kommt uns entgegen und stellt sich als die Managerin vor. Sehr sympathisch denke ich mir, als sie uns in die große Halle führt, wo etwa 15 Leute arbeiten. Wir dürfen überall herumlaufen, uns alles ganz genau ansehen und bekommen jeden einzelnen Produktionsschritt genau erklärt. Angefangen vom Einsetzen des Perlmutt Materials in die Muschel, wie die einzelnen Muscheln dann an lange Schnüre geknotet werden, dem Ernten der fertig gereiften Perle (das dauert ca. 2-3 Jahre) dem Öffnen der Muschel, bis zur Entnahme der Perle, welche mit chirurgischen Instrumenten von meist aus Asien stammenden Spezialisten durchgeführt wird. Allein in dieser Farm werden täglich ca. 2000 Perlen geerntet. Leider verkaufen sie uns keine der Perlen, die hier in Größen von 6 -12 mm gezüchtet werden. Wobei ich eigentlich nicht an kaufen, sondern an tauschen gegen Rum gedacht habe.
Zum Glück müssen auch die Leute hier in der Farm essen und so erfahren wir von den Tauchern, dass im Raroia Atoll kein Ciguatera vorhanden ist.

Da gibt es natürlich kein Halten mehr und wir sausen zurück zu unserem Ankerplatz um auf die Jagd zu gehen. Heinz schießt einen kapitalen Grouper mit fast einem Meter Länge (geschätzte 15+ kg) der sofort unter einem Korallenblock verschwindet. Als er an der Leine des Harpunenpfeiles zieht macht es nur einen Knacks und der Grouper hat den 8mm Niro Stahlpfeil einfach abgebrochen. So schnell gibt Heinz, der den Großteil seinen Lebens als Tauchlehrer verbracht hat, nicht auf und hetzt dem Riesenfisch hinterher. Er bekommt das verwundete Tier, das versucht sich unter einem Korallenblock zu verstecken, am Rest seinen ehemaligen Pfeiles zu fassen und taucht mit dem Fisch in den Händen wieder auf. Sofort komme ich mit dem Dingi und die Beute wird in Sicherheit gebracht, hier gibt es kein Entkommen mehr. Abends gibt es dann eine große Grillparty am Strand und als wir spät nachts heimkehren auf unsere Schiffe, hat jeder einen kugelrunden Bauch.

KonTiki – wir sind auf dem Atoll wo Thor Heyerdahl damals gelandet ist, und denken uns da muss es doch noch irgendwelche Spuren geben, auch wenn das ganze schon mehr als 60 Jahre her ist. Am Abend sehe ich mir den Film an um vielleicht an Hand der Inselaufnahmen etwas erkennen zu können, ich blättere im Buch nach Hinweisen. Alle verfügbaren Südseeführer werden durchforstet und schließlich haben wir 3 Hinweise wo er angekommen ist. Natürlich auf 3 verschiedenen Inseln. Wir machen uns auf den Weg und bereits bei der ersten Insel finden wir eine Gedenktafel die zu seinen Ehren hier errichtet wurde. Ein wenig bewachsen, von verschiedenen Tierchen in Beschlag genommen aber wen stört das.

Trotz all der immens wichtigen Dingen müssen wir auch unsere Schiffe und Ausruestung immer in Ordnung halten und so werden zwischen den Aktivitäten immer wieder Reparatur- oder Instand haltungs- Tage eingelegt. Da wir in den nächsten Tagen tauchen gehen wollen, werden meine beiden Tauchausrüstungen komplett zerlegt und gewartet, Teile getauscht, geschmiert, eingestellt und alles was für ein sicheres Tauchen notwendig ist unternommen. Es ist höchste Zeit dafür, denn seit meinem letzten Tauchgang vor inzwischen mehr als 2 Jahren, hat sich Korrosion und Oxydation über mein Tauchzeug hergemacht.
Nach 2 Tagen kann es dann endlich los gehen. Wir suchen uns vom Mast aus einen schönen großen Korallenkopf der bis an die Wasser Oberfläche reicht, und kurze Zeit später schweben wir im dunklen Blau der Lagune.
Bein Schein des abendlichen Feuers am Strand beschließe ich die Ausbildung zum Dive Master zu machen. Das wird zwar eine Weile dauern, aber ich habe den Vorteil, dass sowohl Heinz als auch seine Andrea sehr erfahrene Tauchlehrer sind die alle nötigen Kurse bis hin zum Dive Master halten dürfen. Ich vermute schon mal jetzt dass wir in nächster Zeit noch viel Spass bei der Taucherei haben werden bis ich alle Kurse durchgemacht habe.

Machts gut und bis bald
Euer Chico

Mittwoch, 31. August 2011

Marquesas - Tuamotus

Von den Marquesas zu den Tuamotus, oder genauer gesagt von Taiohae auf Nuku Hiva ins Raroia Atoll auf den Tuamotus.
Der größte Unterschied ist schon in der Optik der Inseln. Die Marquesas sind mächtige, hoch und steil aufragende Gebirgsmassive aus Lava Gestein, also vulkanischen Ursprungs. Wild bewachsen, fruchtbar, tropischer Dschungel mit allen möglichen Obst und Gemüse. Dagegen die Tuamotus sind versunkene Vulkane von denen nur noch der äußere Ring in Form von flachen Korallen Inselchen aus dem Wasser ragt. Die Marquesas sind bei der Annäherung mit dem Schiff bereits aus bis zu 100 Kilometer Entfernung sichtbar und man hat das Gefühl man segelt und segelt und kommt nicht näher. Dagegen die Tuamotus sieht man erst sehr spät, frühestens wenn man bereits auf 7 Meilen dran ist. Diese sogenannten Ring Atolle, im Fall von Raroia ist es etwa 21 Seemeilen lang und 6 Seemeilen breit, haben eine Schwierigkeit in sich – den Pass.
Der Pass ist eine meist schmale Schneise durch den Korallengürtel durch den man ins Innere des Atolls gelangen kann. Hier in Französisch Polynesien beträgt die Tide (Höhenunterschied des Wasserstandes zwischen Ebbe und Flut) ca. 1 Meter. Das bedeutet dass die riesigen Wassermassen natürlich auch nur durch den Pass Einlaufen oder Auslaufen können. Daraus ergeben sich enorme Strömungen die ein Durchfahren zum falschen Zeitpunkt nicht nur unmöglich, sondern lebensgefährlich machen. Es gibt Atolle da erreicht die Strömung 12 Knoten und mehr als 2 Meter extrem kurzer steiler Welle. Einzig beim sogenannten slackwater (Stillwasser) oder kurz davor oder danach ist es ungefährlich durch zu fahren. Wenn man also zur falschen Zeit ankommt heißt es entweder warten oder weiter segeln zum nächsten Atoll und vielleicht geht's dort. Das slackwater ist meist relativ gut erkennbar an der Wellenbildung im Kanal. Ein findiger Segler, Gram Schweikert ein gelernter Naval Architect/Marine Engineer vom Boot S/V Visions of Johanna, hat sich nun die Mühe gemacht und ein kleines Programm geschrieben mit dessen Hilfe man die idealen Zeiten errechnen kann, den sogenannten Guestimator. Frei als download erhältlich, aber er freut sich natürlich über jede Spende mit der er sich ein Bierchen kaufen kann. Das Wort Guestimator kommt vom englischen 'guess', also erraten, vermuten, schätzen. Die Zeit des slackwaters ist leider keine Konstante sondern verschiebt sich abhängig von der Wellenhöhe, der Wellenrichtung, der Windgeschwindigkeit aus einer bestimmten Richtung, wie viele Tage der Wind bei welcher Stärke geblasen hat, wie viele Pässe ein Atoll hat und noch ein paar andere Kleinigkeiten. Es gibt also einiges zu beachten vor der Durchfahrt in ein Atoll. Ich habe schon vor meiner Atlantiküberquerung in Gran Canaria Segler getroffen die, damals noch mit Sextant, in kein einziges Atoll eingelaufen sind aus Angst davor zur falschen Zeit da zu sein und dann am Rande des Kanals zu enden. Damals konnte ich das nicht verstehen, kaum glauben, jetzt weiß ich wovon geredet wurde.
Warum das Raroia Atoll als erstes Ziel? Vom Kurs her ist es nicht besonders günstig aber es hat eine andere Besonderheit. Vor ca. 60 Jahren ist Thor Heyerdahl dort mit seiner Kon Tiki aufgeschlagen. Er hat versucht zu beweisen dass Polynesien von Peru in Süd Amerika, aus besiedelt wurde. Dazu hat er ein Floss aus Balsa Baumstämmen gebaut und sich damit 101 Tage lang über den Pazifik treiben lassen, bevor er auf Raroia am östlichen Außenriff aufgeschlagen ist. Irgendwie hat sein Floss das überstanden und die ganze Mannschaft ist heil ins Innere gekommen. Wie man sieht geht es auch ohne Pass. Damit war mehr oder weniger erwiesen dass Polynesien von Süd Amerika aus besiedelt wurde und Thor Heyerdahl ein Held. Erst viel später stellte sich heraus dass damit nur bewiesen wurde dass die Strömung von Süd Amerika zuerst nach Norden und später nach Westen läuft. Das haben aber auch schon die alten Chinesen im 15. Jahrhundert gewusst. In Wirklichkeit wurde der Pazifische Raum von Süd Ost Asien aus besiedelt.
Trotzdem, irgendwo muss man anfangen mit den Atollen und warum nicht Raroia. Die Überfahrt verläuft nach Plan, das Wetter hält sich ziemlich genau an die Vorhersage, einzig der 222 Meter lange Frachter Cap Cleveland macht mir am letzten Abend vor der Ankunft Sorgen. Mein AIS Alarm geht los und als ich nachschaue zeigt mir das Gerate direkten Kollisionskurs. Es ist schon äußerst ungewöhnlich hier überhaupt ein Schiff zu treffen, dann muss es nicht auch noch Kollisionskurs sein. Ich funke also wieder mal und bitte den Diensthabenden doch seinen Kurs um 10 Grad zu ändern bis er an mir vorüber ist. Immer wieder bin ich erstaunt wie Diskussionslos meiner freundlichen Bitte nachgekommen wird. So endet auch diese Begegnung ohne Probleme und ich muss sagen das AIS hat sich bis jetzt als ganz ausgezeichnete Investition ins Schiff heraus gestellt. Die letzte Nacht segle ich nur mit 3.Reff und ein wenig Vorsegel um zur richtigen Zeit (nicht zu früh) anzukommen. Ohne Warterei geht's es direkt durch den Kanal. Ich habe 2,5 Knoten Strömung mit mir, der Guestimator hat entweder nicht gestimmt für dieses Atoll oder ich habe falsche Eingaben gemacht. In dem Fall ist es nicht schlimm, da es einzig darauf ankommt das Schiff steuerbar zu halten und ich mit einlaufender Strömung hinein segle. Danach segle ich gleich weiter ans Sued-Ost Ende des Atolls. Hier gibt es keine Seekarten mehr. Das Innere der Atolle ist am Computer nur graue Fläche ohne irgendwelche eingezeichnete Hindernisse. Auf der guten alten Papierseekarte eine schöne weiße Fläche, abgesehen von ein paar Kaffeeflecken, nach denen man besser nicht navigieren sollte. Wieder mal heißt es schauen, schauen, schauen. Es gibt hier jede Menge Korallenköpfe die senkrecht aus dem Boden wachsen bis kurz unter die Wasseroberfläche. Bei hoch stehender Sonne sind sie leicht und gut erkennbar. Wehe man fährt aber gegen die Sonne, keine Chance auch nur irgendetwas zu sehen. Und wenn man so einen etwa 10 – 50 Meter im Durchmesser großen Korallenblock trifft dann Gute Nacht.

Dienstag, 16. August 2011

Nuku Hiva

14. Juli, der Französische Nationalfeiertag wird natürlich auch in Französisch Polynesien gefeiert, gibt schließlich wieder einen freien Tag. Tagsüber finden verschiedene Wettkämpfe, wie Rudern Petanque (Boccia), Volleyball und ähnliches statt. Und am Abend gibt es eine Veranstaltung mit Tänzen der Insel. Und ich muss sagen ich war enttäuscht. Wahrscheinlich war es nur meine eigene hochgesteckte, von Fernseh- und anderen Berichten angekurbelte Erwartung, die mich das Fest als eine Enttäuschung erleben ließ. Es wird immer und überall von der überschäumenden Lebensfreude berichtet. Die habe ich schmerzlich vermisst. An den Tischen hauptsächlich betrunkene Männer (wie bei uns), von der Tanzgruppe 2 oder 3 Mädchen denen man ansehen konnte dass sie gerne machen was sie machen. Der Rest erweckte den Eindruck dass sie halt mitmachen weil es so üblich ist, oder weil die Mama es gesagt hat, oder was weiß ich. Aber sicher nicht weil sie es gerne tun. Man muss aber zumindest sagen, es war authentisch und keiner hat sich wegen uns 3 Touristen verstellt. Und es war trotzdem schön, nur eben wie schon Eingangs erwähnt – die Erwartungshaltung passte mit dem Gesehenen nicht zusammen.

Viele der Einwohner auf den Marquesas haben Elefanttitis (Filariose) und angeblich wird sie durch irgendein Insekt übertragen. Wir erfahren dass es dafür eine kostenlose Impfung gibt und wollen die Gelegenheit nutzen und gehen ins Hospital. Die nette Dame an der Rezeption schickt uns zu einem Kiosk in der Nähe. Etwas verwundert machen wir uns auf den Weg und zwischen Kugelschreibern, Schulheften und anderem Kleinkram holt die Verkäuferin eine Packung Tabletten hervor. Danach musste jeder auf die Waage (ich wiege noch immer gleich wenig), und wir bekamen unsere Pillenration. Dazu noch eine andere Pille, wo ich nicht mehr weiß wozu die gut war, aber wir mussten sie unbedingt auch mitnehmen. Am Abend war also Pillenparty angesagt. Wo die Kids sich heute ihr Extasy reinschmeissen, nehmen wir die gesunden Pillen. Vorsichtshalber haben wir aber anstatt sie mit Wasser zu schlucken dann doch auf den guten Abuelo (Rum) zurück gegriffen. Es ist immer besser das unbekannte Zeugs zu desinfizieren. Wie uns gesagt wurde soll einem von den Tabletten übel werden, wir waren wohlauf und ohne Beschwerden.

Ich habe gerade 2 Tage lang das Großsegel repariert. War ziemlich arg die letzte kurze Fahrt, nur 15 Meilen aber die hatten es in sich. Bis 30 Knoten Wind, und ich hatte viel zu viel Segel gesetzt. Da hat es mir beide Rutscher des Kopfbeschlag (ganz oben, doppelt gelagert) des Segels ausgerissen, darauf am Vorliek das Führungsseil im Bereich des Ersten Rutschers, danach den Beschlag für die Erste Segellatte und dann noch ein paar Kleinigkeiten damit mir ja nicht langweilig wird.
Meine Steirischen Freunde haben mir dabei fest geholfen denn ein Großteil musste per Hand genäht werden weil der Stoff so dick und steif ist (8-lagiger Segelstoff + Halteband) das packt die beste Nähmaschine nicht mehr.

Heute haben die Beiden bei ihrem Schiff etwas bei der Windfahnen Steueranlage korrigieren wollen und da stellt sich heraus dass die Lagerwelle des extra Ruderblattes dafür, fast vollständig weg gescheuert ist. Also haben wir heute angefangen bei ihnen am Boot ein neues Hilfsruder für die Windfahnensteuerung zu bauen. Komplett von a-z mit Kunststofflagern, Aluwelle, Ruderblatt usw... Alles von Hand gefertigt aus Teilen die man halt so am Boot herumliegen hat.

Danach ging es wieder mal in die Zivilisation, in die Hauptstadt von Nuku Hiva, nach Taiohae. Einkaufen war angesagt, schließlich soll es danach weiter gehen zu den Tuamotus, und was man so hört ist die Versorgungslage dort noch schlechter als auf den Marquesas.

Am Samstag vor der Abfahrt war dann großer Markttag. Zufällig fragen wir am Freitag bei einem der Marktstände ob sie nie ein größeres Angebot als die paar verrunzelten Dinge haben. Freundlich lächelnd erklärt uns die (wie alle anderen auch) übergewichtige Dame dass wir um 04:00 (in Worten – vier) Uhr morgens kommen müssen, da gibt es jede Menge, ganz frisch. Wir sind nicht sicher ob sie uns verscheissern will oder ob das ernst gemeint ist. Vorsichtshalber machen wir uns um 05:00 auf den Weg und tatsächlich gibt es jede Menge Gemüse frisch aus dem Garten eines Bauern.

Samstag, 30. Juli 2011

Marquesas

2 Tage später geht es weiter nach Oa Pou (9Grad 21,5 min Süd, 140Grad 06,3min West) wo ich ein anderes Österreichisches Boot treffe, die Pokuri mit Christine und Hannes, um mich von ihnen zu verabschieden. Sie wollen oder müssen weiter nach Tonga, sie segeln wie so viele ihrem Zeitplan hinterher.

Ausgedehnte Wanderungen in die tropische Umgebung und zu Wasserfällen folgen bis wir eines Tages auf Manfred stoßen, ein Deutscher der seit 16 Jahren auf Oa Pou lebt. Er hat sich an den Hängen eines steilen Berges gemeinsam mit seiner Polynesischen Frau, sein kleines Paradies in den Dschungel gebaut. In Deutschland besaß er eine öffentliche Sauna Anlage bis sie eines Tages abbrannte, die Versicherung den Schaden nicht bezahlte, worauf hin er, nachdem er im Fernsehen einen Bericht über die Polynesischen Inseln sah, auswanderte. Hier hat er mehrere kleine Häuser errichtet, baut den Großteil der benötigten Lebensmittel selber an, brennt seinen eigenen Schnaps, den er natürlich auch verkauft, macht selber Schokolade, bäckt sein eigenes Brot, das er wiederum zum Großteil an seine Hühner, Schafe, Schweine und Ziegen verfüttert.

Er hat sich ein eigenes kleines Wasserkraftwerk gebaut indem er einfach auf eine Scheibe halbierte Schläuche montierte, die als Schaufelräder dienen. Die Wasserleitung die aus dem nahegelegenen Bach kommt bringt das Rad zum Rotieren und über einen Keilriemen und einer entsprechenden Übersetzung wird ein kleiner Generator angetrieben, der die Energie für sein ganzes Anwesen liefert. Damit das ganze auch cool ausschaut hat er einfach alles in eine alte Gefriertruhe installiert. Natürlich hat er auch eine Waffe – auch selber gebaut. Eine Pistole aus einem abgesägten Gewehrlauf, den ganzen Abzugsmechanismus aus einer uralten Waffe, alles zusammengeschweißt und vorne drauf noch einen aus einem alten Stoßdämpfer eines Autos selbstgebauten Schalldämpfer drauf. Ja und er erzählt gerne Geschichten, wenn er einmal anfängt ist er kaum zu bremsen. Nach 2 Stunden verabschieden wir uns um den Rückweg von seinem Berg durch den Dschungel noch bei Tageslicht zu schaffen.
Vor kurzem gehe ich durch ein Dorf, kommt eine junge, halbnackte diiicke Polynesierin, nur mit einem seehhhr durchsichtigen BH bekleidet, aus ihrem Haus und deutet mir ich soll mit kommen. Denke ich mir spinnt die jetzt komplett oder geht es hier wirklich so locker zu. Natürlich gehe ich mit und wie sich herausstellt, wollte sie mir nur ein paar Souvenirs und Perlen verkaufen. Die Mädels haben hier schon ordentliche Fettpakete drauf, unheimlich.

Der starke Schwell am Ankerplatz lässt mich auch hier meine Zelte bald wieder abbrechen und es geht weiter Richtung Norden nach Nuku Hiva in die Controleurs Bay (8Grad 52,8min Süd, 140Grad 02,9min West), wo der Anker auf 5 Meter Sandgrund fällt. In der Nacht wird es sehr ungemütlich. Heftige, sehr böige Winde verursachen einen enormen Schwell der dann gegen die Tide läuft und am Ankerplatz Wellen mit bis zu einem Meter Höhe erzeugt. Das Boot dreht sich oft im Kreis und ein großer Steinbrocken verursacht einen schrecklichen Lärm der durch die Ankerkette ins Boot geleitet wird. Es ist kaum an Schlaf zu denken, wilde Schaukelei, der Lärm der Kette sowie das bräunliche Wasser laden auch hier nicht zu einem längeren Aufenthalt ein. Als dann auch noch meine komplette Ankerrolle aus dem vorderen Beam gerissen wird als die Kette bei einem Felsbrocken hängenbleibt, kurzstag kommt, das Boot um 150 Grad herum schwingt und es mich fast von den Füßen reißt, weiß ich es ist höchste Zeit zum Weitersegeln. Nächstes Ziel ist die Baie de Anaho im Nordosten von Nuku Hiva (8Grad 49,3min Süd, 140Grad 03,9 min West). Und endlich schaut die Südsee wieder nach Südsee aus. Gut geschützt gegen den Schwell, klares helles Wasser, Korallenriff, viele Fische, so stelle ich mir die Südsee vor. Dazu noch im Hintergrund atemberaubend aufragende Felsen, Palmen ohne Ende, weite lange Sandstrände gemischt mit schwarzen Lavastein, eine Traumkulisse. Nur 6 sehr freundliche Familien die hier leben. Auf den Bäumen, ein wenig abseits der Häuser wachsen Mangos, Starfruit, Bananen, Orangen, Limonen, Papayas, wilder Oregano, Breadfruit, Guava, Granatapfel, Soursoup und natürlich Kokosnüsse alles einfach zum Einsammeln, ein kleines Schlaraffenland. Nur mit Gemüse schaut es mager aus. Wir finden dann doch 2 Bauern die ein wenig Landwirtschaft betreiben und wo wir Gurken, Tomaten, Salat, Peppers, Kraut, Auberginen und Petersilie bekommen.
Das größte Problem bereitet im Moment der Fisch. Fast überall in der Südsee gibt es Ciguatera. Das ist ein Gift das in gewissen Algen welche in den Korallenriffen wachsen beheimatet ist. Die Algen werden von den kleinen Fischen gefressen,die nehmen das Gift auf und es bleibt in ihren Körpern, es schadet ihnen aber nicht. Die kleinen Fische werden dann von den grösseren Raubfischen gefressen, die sammeln das Gift von den vielen kleinen Fischen, über die Nahrungskette geht es weiter bis die Fische groß genug sind dass ich sie jage und esse und dann voll mit Ciguatera bin. Leider kann der Mensch das Gift nicht ausscheiden und als Unterschied zum Fisch schadet es uns Menschen sehr wohl. Es kann neben den starken Schmerzen bis zum Tod führen. Ich habe nun eine Bitte an Euch – könntet ihr bitte recherchieren welche Fische in den Korallengebieten der Südsee man trotzdem fangen und Essen kann, welche Gebiete in Französisch Polynesien von Ciguatera nicht betroffen sind, gibt es einen Test um festzustellen ob ein Fisch Ciguatera hat?
Eine Antwort auf diese Fragen würde mein Leben hier ganz wesentlich erleichtern. Ich bedanke mich schon mal im Vorhinein für eure Hilfe.
Ein Einheimischer hat mir neulich gesagt sie verzichten komplett auf Fisch, außer wenn sie ihn am offenen Meer weit weg von den Inseln fangen. Sie Essen hauptsächlich Lobster und Oktopus. Nun das täte ich auch gerne nur so einfach sind die Viecher halt nicht zu finden wenn man die Riffe noch nicht kennt.




Sonntag, 17. Juli 2011

Erste Tage

Ich bin nur 3 Tage geblieben in der schönen Landschaft von Fatu Hiva. Die dauernden starken Fallböen und das Schwarz des Meeres haben mich weiter getrieben. Nie zu wissen ob das Boot noch da ist wenn man von einem Landgang zurück kommt, oder ob vielleicht eine extra starke Böe den Anker losgerissen hat und das Boot aufs offene Meer getrieben ist, da bleibt immer ein ungutes Gefühl das ich nicht brauchen kann. Der zweite Grund war der schwarze Lavasand des Meeresboden der die Sicht im Wasser unangenehm machte und sehr erschwerte. Also reiße ich den Anker aus dem Grund und segle die 48 Meilen zur Insel Tahuata in die nordwestliche Bucht, (9grad 54,5 min Süd, 139grad 06,3 min West) in der es herrlich hellgelben Sandgrund gibt. Ich ankere auf 8 Meter und kann jedes einzelne Sandkorn im Wasser ausmachen.
Am nächsten Tag endlich mal wieder ausgiebig schnorcheln und das Meer genießen. Und plötzlich ist ein riesiger Manta unter mir, den ich eine halbe Stunde lang bei seinen wunderbaren Gleitflügen durchs Wasser begleite. Am nächsten Morgen, die Augen noch nicht mal richtig offen, ist eine Schule von etwa 20 Delfinen in der Bucht. Also rein ins Wasser und Guten Tag gesagt zu den lieben Tieren. Ohne Scheu bleiben die Delfine hier unbeeindruckt von einem Schwimmer der sie eine Zeit lang begleitet. Am Nachmittag wird dann die in Panama neu erworbene Machete geschärft und dann geht's zum Insel erkunden ? Robinson Crusoe lässt grüßen. Bereits 40 Meter hinter dem Strandbereich verhindert dann dichtester Bewuchs ein Weiterkommen. Immerhin etwa 50 Limonen und ein paar Pampelmusen sind eingesammelt und dürfen aufs Schiff. Leider waren nirgends Bananen oder Orangen zu finden.

Irgendwann geht's dann weiter nach Atuona auf der Insel Hiva Oa. Der Ankerplatz (9grad 48,2 min Süd, 139grad 01,9min West) ist sehr eng, da in einem großen Teil hinter der Mole wegen des 120 Meter langen Versorgungsschiffes nicht geankert werden darf. Alle Boote müssen sich mit zusätzlichem Heckanker vermuren um ein Schwojen des Bootes zu verhindern und den zur Verfügung stehen Platz optimal zu nutzen. Das ist natürlich als Einhand Segler nicht ganz einfach, bei seitlichem Wind und Schwell, an Bug und Heck einen Anker auszubringen ohne dabei während der Arbeiten in ein anderes Boot zu driften.

Die offizielle Einklarierung ist angesagt. Und, oh Wunder, so was hat es schon ewig nicht mehr gegeben. Man wandert zur Gendarmerie, ein freundlicher, lächelnder Beamter drückt einem ein Formular in die Hand zum Ausfüllen, nach ein paar Minuten ist der Stempel im Pass, ein Durchschlag des Formulars wird ordentlich gefaltet und getackert und fertig. Keine Kosten alles wunderbar. Als einziges muss man jetzt noch mit dem Formular zur Post gehen, eine Briefmarke kaufen, abschlecken, draufpappen auf das getackerte Formular und ab geht's damit nach Tahiti zur Zentrale damit die Jungs wissen dass ich da bin. Ich bin jetzt also wieder mal ganz offiziell in der EU, praktisch zu Hause. Die Sprache hier ist französisch was mir nicht wirklich weiter hilft da ich das genau so schlecht spreche wie polynesisch, vielleicht lerne ich's ja noch.

Weniger nett war dann der Besuch auf der Bank. Hier gibt es eine eigene Währung, den Polynesischen Franc, also nichts mit Euro und ich wollte bzw. musste wechseln. Woraufhin mir der Mann am Schalter erklärt dass er Euro nur wechseln kann wenn ich ein Konto auf der Bank habe. Naja denke ich mir, dann eröffne ich halt ein Bankkonto, wer weiß wozu man es irgendwann brauchen kann. Ich glaube er wollte an dem Tag einfach nicht, denn seine nutzlose (oder unverschämte??) Antwort lautet ich muss mindestens 3 Jahre auf der Insel sein damit ich ein Konto eröffnen kann. Es hilft nichts, er will nicht und was soll ich tun. Also ab zum Bankomaten. Inzwischen ist mir klar geworden warum er nicht wechseln wollte. Zur Umrechnung von Euro in Polynesische Franc gibt es einen festgesetzten, starren Kurs. Alle anderen Währungen sind dem freien Markt unterworfen und die Bank kann den Kurs täglich anpassen. Auf gut deutsch heißt das für mich, wenn sie Euros wechseln verdienen sie nichts, also tun sie es erst gar nicht. Oder hat jemand von euch eine bessere Erklärung??? Gibt es einen klugen Bankmenschen der das liest und mir einen einleuchtenden Grund nennen kann warum die keine Euros (andere Währungen sehr wohl) wechseln wollen??

Also Geld ist in der Tasche und ab in den Supermarkt. Und siehe da, fast wie zu Hause. Eine große Auswahl an Käsesorten, alle möglichen feinen Spezialitäten und lange entbehrten kulinarischen Köstlichkeiten. Schnell wechseln die gerade erst erworbenen Geldscheine, die übrigens wunderschön sind, wieder den Besitzer. Die Preise sind ein wenig teurer wie in Österreich, viel teurer wie in Zentralamerika, mit Ausnahme der Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Öl, Mehl, Zucker, Salz und ähnliche Waren. Die haben ein rotes Preispickerl, sind staatlich gefördert und um einiges günstiger wie in Europa. Schinken, Speck, Joghurt und frisches Baguette wandern in den Rucksack und bald darauf in meinen Bauch. Welch ein Genuss wenn man so was lange nicht gehabt hat.
Da der Ankerplatz in Atuona nicht gerade sehr einladend ist geht es bald wieder zu einer Bucht und endlich wieder mal nach 4 Monaten zum Jagen. Nun die Ausbeute ist eher bescheiden, dafür habe ich aber viele der schönen Unterwasserkreaturen gesehen wie eine Muräne, einen Manta, einen riesigen Oktopus, Stachelrochen, und viele der bunten kleinen Fische die in großer Zahl hier schwimmen.

Sonntag, 26. Juni 2011

Ankunft

Es ist noch nicht mal 1 Stunde nach dem die Sonne langsam über den Horizont gekrochen ist und sich noch immer hinter dem immerwährenden Wolkenstreifen versteckt als ich um das Nordkap von Fatu Hiva biege. Baie des Vierges oder Hana Vave wie die Einheimischen sagen, heißt die Bucht in die ich will, etwa 2 Meilen südlich davon und der Anblick ist atemberaubend. Ich glaube ich bin am Tappenkarsee. Wilde Felszacken in grau und braunen Farbtönen ragen hunderte Meter senkrecht aus dem Wasser. Erst spcter als die Sonne hoch steht, kommt das Grün des Bewuchses zur Geltung und verwandelt die Zauberbucht vom Tappenkarsee in die Südsee.
Fatu Hiva ist die Südlichste der zum Archipel de Marqueses gehörenden Inselgruppe. Von vielen wird sie als die Schönste bezeichnet, sicherlich ist sie atemberaubend mit ihrer wilden Schönheit. Vor allem ist es die einzige der großen Inseln ohne Flughafen und daher auch touristisch nicht erschlossen. Früher, bevor die katholische Kirche mit ihren Missionaren kam, bevor der Einfluss der Europäer spürbar wurde, lebten hier bis zu 10.000 Menschen. Heute sind es nur mehr ca. 470 die hier ein beschauliches glückliches Leben führen und geblieben sind.

Seit 2 Tagen habe ich gerechnet wann ich bei den vorherrschenden Windbedingungen ankommen werde. Ich bin zu schnell, denn ich will keinesfalls nachts ankommen. Also habe ich die 3. Reff eingebunden. Dabei ist wieder mal ein Rutscher bei einer der Segellatten ausgerissen und hat sich im Mastprofil verkeilt. Das bedeutet für mich rauf in den Mast und den festgeklemmten Teil losmachen. 20 Knoten Wind und 3 Meter Welle von der Seite machen dieses Unternehmen nicht gerade zu einem Morgenspaziergang. Es gelingt mir relativ schnell den Teil zu lösen und außer einer offenen Wunde am Unterschenkel, weil ich bei einer Maststufe abgerutscht bin, komme ich wieder heil zurück aufs Deck.

Die Aussicht hier ist wunderbar, was den Ankerplatz aber unangenehm macht sind die extremen Fallböen. Ausgelöst durch die hohen steilen Berge ringsum, stürzen in unablässiger Folge Böen mit bis zu 35 Knoten von den Bergen und rauschen durch die schmale Bucht. Etwas im Cockpit liegen lassen ist nicht drin, das hat man mit Sicherheit zum letzten Mal gesehen. Das zweite Unangenehme sind die großen Tiefen. Das Meer steigt hier sehr schnell an und man muss auf 20 bis 30 Meter ankern. Das gibt also ordentliche Ketten- bzw. Seillängen. Im flachen Teil ganz innen ist der Meeresgrund mit Felsbrocken übersät und macht ein Ankern nicht ratsam.

Ich werde jetzt mal einfach das alles hier genießen, ein paar kleinen Reparaturen am Segel vornehmen und sonst nichts tun. Naja, 1-2 Bier werde ich trinken gehen nach 3019 Meilen (5591 km) und 20 Tagen Abstinenz, die ich für diese längste offenen Strecke im Pazifik gebraucht habe. Das entspricht übrigens fast genau der Distanz der Atlantiküberquerung.

Dienstag, 14. Juni 2011

Bergfest

Donnerstag - Mein Windalarm beruhigt sich einfach nicht mehr. Dauernd der unangenehme schrille Warnton. Bei 19 Knoten (scheinbarer) Wind ertönt das Signal. Zeit zum Reffen. Und es war höchste Zeit. Auch nachdem die Segelfläche verkleinert ist geht's noch immer mit 8 ? 10 Knoten dahin. Ist ja super, aber halt nur ein paar Stunden lang, dann wird es anstrengend. Inzwischen ist auch schon die Nacht herein gebrochen, da der Wind aber aus raumschot kommt, belasse ich es bei der 1.Reff. In den nächsten 12 Stunden mache ich 96 Seemeilen in Richtung Marquesas gut, also 8 Knoten Schnitt. Nach Sonnenaufgang binde ich lieber das 2. Reff ins Großsegel und reduziere auch das Vorsegel ein wenig. Noch immer geht es mit 7 ? 8,5 Knoten dahin, aber schon wesentlich entspannter. Man merkt die Entlastung des Bootes durch die Segelverkleinerung sehr deutlich.

Gestern war der ultimative Anti Fishing day. Ich hänge meinen besten Gummi Kraken an die Angel, blau - grün - weiß, keine 5 Minuten und der Erste Fisch ist dran. Als ich das Ausrauschen der Leine gestoppt habe, ein Ruck und weg war er. Mit ihm natürlich mein Köder, Vorfach und der Wirbel. Also nächsten Gummi Kraken dran, diesmal in schickem pink. 20 Minuten, genau das selbe Spiel wie vorhin auch, alles weg. Also nehme ich diesmal einen schwarz ? silbernen Rapalla, das ist ein etwa 15 cm großer Hartplastik Fischnachbau, mit 3 Dreifachhaken. Es dauert immerhin 2 Stunden bis zum nächsten Biss. So wie sich die Angel biegt muss ein ordentlicher Brocken dran sein. Langsam beginne ich ihn einzuholen, da geht wieder ein Ruck durchs Gerät und weg war er. Diesmal ist das Vorfach und der Köder noch dran, allerdings das letzte Drittel des Kunststofffisches mit Heckhaken fehlt. Der Fisch hat den Hartkunststoff Köder einfach abgebissen. Das war's dann für diesen Tag, irgendwann reicht es einfach. Normalerweise soll man stehenbleiben wenn ein Fisch dran ist, nur wenn du alleine unterwegs bist, denkst du nicht mal dran irgend etwas an den Segeln auch nur um eine Spur zu verändern, nur wegen einem Fisch. Der Druck der auf Angel, Köder, Schnur usw. kommt ist dann natürlich enorm bei 7 ? 8 Knoten Fahrt.

Heute Montag ist Bergfest. Das heißt ich habe die Hälfte der Strecke Galapagos ? Marquesas hinter mir. Von nun an geht also bergab. In San Cristobal habe ich in einem abgelegenen, kleinen Laden Schweinsripperl gefunden. Und die gibt es heute Abend als Halbzeit Mahl. Dazu Kartoffel Püree und Sauerkraut ist auch noch aufgetaucht in einem der Vorratsfächer. Und Ausnahmsweise ein Bier. Sonst herrscht striktes Alkoholverbot unterwegs.

Es ist jetzt Montag 13. Juni, nachmittags. Meine Position 05 Grad 40 Minuten Süd, und 114 Grad 20 Minuten West. Kurs 258 Grad, Geschwindigkeit 7,3 Knoten, noch ca. 1450 Seemeilen bis Fatu Hiva.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Rush Hour auf 2 Grad Sued

Ich habe schon ein wenig Muffensausen bei dem was mir gerade bevorsteht. Ich muss in den Mast. Nun ich war schon hundert mal da oben, meistens ist es sehr schön. Jetzt bin ich mitten auf dem Pazifik, 12 Knoten Wind, was ganz angenehm ist, gut 2-3 Meter Welle. Und das ist weniger angenehm wenn man in den Mast muss. Ich habe lange überlegt wie ich es angehen soll. Stehen bleiben und rauf klettern? Oder Segel oben lassen und rauf klettern? Nun ich entscheide mich dafür das Großsegel ganz wegzunehmen und das Vorsegel stehen zu lassen. Grundgedanke ist, dass wenn ich stehen bleibe das Boot furchtbar schaukeln wird in den Wellen. Also ist es besser wenn ich Fahrt drauf habe, weil das Boot dann ruhiger liegt. Wenn ich aber auch das Großsegel oben lasse, muss ich auf der verkehrten Seite des Mastes klettern, was bei meinem Boot durch das Diamond Rigg sehr schwierig ist. Ohne Großsegel kann ich am einfachsten die Maststufen rauf und schnell wieder runter. Gestern Nacht als ich bei aufkommenden Wind den Gennaker berge, verfängt sich die Bergeleine des Bergeschlauches ganz oben bei einem Schäkel des Vorsegels. Ich versuche ueber eine Stunde lang die Leine wieder runter zu bekommen. Bei der Aktion verliere ich dann auch noch meine Stirnlampe, aber kein Erfolg. Nun in der Nacht will ich nicht in den Mast, es ist am Tag schon genug Risiko. Also heute morgen erste Aktion nach dem Frühstück.

Gestern am frühen Nachmittag sehe ich ein Segel vor mir. Nach 3 Stunden bin ich an ihm dran. Es ist Ari ? ein Finne mit seiner Frau, auf einem 44 Fuß Stahlschoner dessen schweres Boot bei den leichten Winden unter 15 Knoten nicht recht in Fahrt kommt. Wir plaudern ein wenig und verabreden uns auf ein Bier in der Nordbucht von Fatu Hiva. Das ist vorläufig genauso sein wie auch mein erstes Ziel in den Marquesas. 2 Stunden später funkt er mich an ob ich das andere Boot auch sehe, etwa 2-3 Meilen hinter ihm. Aber ich bin schon zu weit weg als dass ich das andere Boot sehen kann. Funk sei Dank wissen wir wenig später dass es ein Italiener mit einer 58 Fuß Beneteau und gemischter Crew aus Argentinien, Brasilien, Italien, USA und Kanada ist.
Ich habe mit mehreren Seglern gesprochen die schon des öfteren durch den Pazifik gesegelt sind und einhellig der Kommentar ? du wirst sehen wenn du mal vom Land weg bist, siehst du kein einziges Boot mehr.
In der zweiten Nacht sehe ich Lichter, 4 Stück ungefähr in einer Reihe, weit auseinander gezogen. Klarer Fall von Fischernetz. Super denke ich mir, dass die Fischer hier die Netze so ordentlich beleuchten, es ist eher ein Zufall dass ich gerade aufgestanden bin und die Lichter sehe. Wenn ich müde bin lege ich mich einfach hin und schlafe, fertig. Ich werde so ca. jede Stunde munter, kontrolliere ob der Wind noch passt oder sonst was auffälliges in der Nähe ist. Nach 2 Stunden bin ich noch immer nicht bei den Netzen vorbei, irgend etwas ist hier komisch. Als ich dann so auf eine halbe Meile am ersten Licht dran bin, plötzlich der große Flash. Genau zwischen den ersten beiden Leuchtbojen ein riesiger Fischkutter, ebenso zwischen den beiden hinteren Leuchtbojen. Und gleichzeitig schalten sie all ihre Lichter ein. Diese Kasperln haben die Netze gezogen, nur unwesentlich langsamer als ich und darum bin ich nicht näher gekommen. In der Dunkelheit konnte ich aber die Fischerboote nicht sehen. Naja ,die haben sicher ihren Spass gehabt, einen armen alten Segler so zu erschrecken.

Im großen und ganzen geht's gut voran. Die ersten 2 Tage nicht allzu schnell, aber jetzt wird der Wind ein wenig mehr, so um die 15 Knoten und die Geschwindigkeit passt. Es ist nicht viel zu tun, Windrichtung ist ziemlich konstant, schwankt nur so um 15 Grad mehr oder weniger aus Südost. Wenn der Wind leicht wird setze ich den Gennaker, so ab 13 Knoten kommt er wieder runter. Da reicht auch die Fock.
Es ist jetzt Mittwoch 8. Juni, vormittags. Meine Position 02 Grad 56 Minuten Süd, und 100 Grad 05 Minuten West. Kurs 260 Grad, Geschwindigkeit 6,8 Knoten, noch ca. 2500 Seemeilen bis Fatu Hiva.

Freitag, 3. Juni 2011

Galapagos

 

Kaum ist der Anker im Wasser und gräbt sich in den bestens haltenden Sandgrund ein, kommt auch schon Pablo angedüst. Pablo ist, wie er mir versichert MEIN Agent. Na gut denke ich mir, ohne Agent geht hier sowieso nichts, also kann ich genauso gut ihn nehmen. Und innerhalb einer Stunde sind der Hafenkapitän (bzw. sein Stellvertreter), der Oberste der Marine (hahaha ,das Bürschlein war vielleicht 19 Jahre alt), eine charmante Vertreterin der Agrarbehörde und noch 2 Personen von denen ich keine Ahnung habe welche Funktion sie haben oder welche Behörde sie vertreten. Ein Coca Cola für jeden, die Schwimmweste wird kontrolliert (das Lichtlein geht nicht und Pfeifferl ist auch keines dran) ist aber wurscht, ich werde 3mal gefragt ob ich Orangen an Bord habe die ich abgeben muss, 400 Dollar wechseln den Besitzer und dann darf ich maximal 20 Tage bleiben. Wenn man das auf das Jahr hochrechnet ergibt das die stolze Summe von 7.300,-- Dollar für die Aufenthaltsgenehmigung.

Die ersten Tage in Galapagos sind natürlich mit der Reparatur des Schiffsrumpfes verplant. Der schwierige Teil ist vorne im Unterwasserbereich. Ich will ja nicht nur innen was draufpappen, sondern die Löcher sollen ordentlich von außen verschlossen werden, damit der auftretende Wasserdruck keinen Schaden anrichten kann. Die Steifigkeit und Festigkeit, die kann dann durch drüber laminieren auf der Innenseite hergestellt werden. Mit Fendern und leeren Wasserkanistern die ich unter dem Rumpf befestige, gelingt es mir das Boot vorne um ca. 10cm anzuheben. Außerdem befestige ich den Anker an der Heckklampe, damit nicht der Zug der Kette das Boot vorne tiefer drückt. Nach 2 Tagen ist alles dicht und fest und ich kann mich endlich um die Sehenswürdigkeiten in Galapagos kümmern.

Als erstes wird man von den überall anwesenden, ach so herzig süßen Seehunden begrüßt. Einer ist mir schon 3 Meilen vor dem Ankerplatz entgegen gekommen. Lässig auf dem Rücken schwimmend, die Flossen auf dem Bauch gelegt schwimmt er neben mir und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Und sie sind ja wirklich lieb wenn sie so in der Sonne liegen oder aufs Boot wollen. Neulich nachts werde ich munter und denke mir wieso schnauft da jemand, ich bin doch gestern allein nach Hause gegangen soweit ich mich erinnern kann. Ich drehe mich also um, um das Rätsel zu lösen, liegt so ein 300kg Brocken einen knappen Meter neben mir, bei der Eingangstüre. Er schnaubt wie wild, war ihm wohl ein wenig zu mühsam um 3 in der Früh aufs Boot zu klettern. Mich reißt es ordentlich, doch nach 2 Sekunden springe ich aus dem Bett und vertreibe den nächtlichen Eindringling. Der Gestank den das liebe Viecherl hinterlassen hat braucht den Vergleich mit einer Fischfabrik nicht zu scheuen.
Um ähnliche Vorfälle in Zukunft auszuschließen, habe ich am nächsten Tag einen alten Bergbauern Trick angewendet. Seit vielen Jahren liegt in einer Schuhschachtel eine Alarmanlage die als Bestandteil auch einen Weidezaun Hochspannungsteil mit 2000 Volt Ausgangsleistung enthält. Ich baue also das Gerät von Kuh auf Seehund um, und seit diesem Tag kommen die Hunderln nur mehr bis zur untersten Plattform der Heckstufen. Jedes mal wenn sie weiter rauf wollen, geben sie so einen komischen Laut von sich und springen dann sehr schnell wieder ins Wasser.

 
Die Tierwelt ist natürlich das große Erlebnis hier. Echsen in allen Farbschattierungen und Größen bis 1,5 Metern laufen hier frei durch die Gegend. Beeindruckend auch die riesigen Schildkröten die inzwischen schon in eigenen Gehegen aufgezogen werden um ihren Fortbestand auch für die kommenden Generationen zu gewährleisten.
Riesige Fregattvögel die mit einer unglaublichen Flugtechnik stundenlang in der Luft bleiben können, ohne auch nur einen einzigen Flügelschlag. Selbstverständlich kreucht und fleucht hier noch alles mögliche an Getier durch die Landschaft von dem ich nichts gesehen habe.

Die Galapenos sind überaus freundlich und hilfsbereit. Es scheint, trotz des inzwischen schon recht ansehnlichen Tourismus, als existiert das Wort Hektik einfach nicht.
Für mich wird es Zeit weiter zu segeln. Das bedeutet die letzten Besorgungen machen, frisches Obst und Gemüse, Eier, Wurst, Fleisch, Huhn sowie Benzin einkaufen bevor es weiter geht. Übrigens ist der Benzinpreis für Segler 3mal so hoch wie für die Einheimischen und der Dieselpreis 5 mal so hoch – und trotzdem billiger wie in Österreich !! Wie gibt’s das?? Nun die Einheimischen bekommen ihn Steuerfrei.
Das sollte in Österreich auch eingeführt werden, steuerfreier Sprit für alle geborenen Österreicher!!

Ich hoffe dass mich diesmal die Funkanlage nicht im Stich lässt und ich auch von unterwegs Beiträge schreiben kann. Die Überfahrt zu den Marquesas - Französisch Polynesien – wird ca. 3 Wochen dauern, sofern alles normal verläuft.

Ich würde mir auch wünschen, dass zu meinem Geschreibsel der eine oder andere Kommentar kommt. Ich bekomme ja das Gefühl ich schreibe nur für mich selbst, was aber keineswegs der Fall ist. Also bitte nicht so schüchtern. Es wundert mich einfach, da säuft man fast ab und dann kommt nicht ein einziger Kommentar?? Interessiert das keinen? Ist es so schlecht geschrieben? Ist euch das alles wurscht?
Übrigens, aber das habt ihr ja inzwischen sicher selber rausgefunden, durch klicken auf die Fotos werden sie größer.

Also bis bald dann auf Hoher See
Euer Chico

Mittwoch, 25. Mai 2011

Kollision - Teil 2

Als Erstes und Wichtigstes der Idiotentest. Wenn du Wasser im Schiff hast koste ob es Salzwasser oder Süßwasser ist. Kann ja auch irgendwo bei den heftigen Regenfällen reingekommen sein. Leider ist es bei mir Salzwasser. Und dann sehe ich auch schon die Risse im Bug. Bei jedem eintauchen in eine Welle wird Wasser ins Innere gepumpt. Ich muss sofort Fahrt aus dem Schiff nehmen damit der Wasserdruck auf die Risse weg ist. Ich binde das 3.Reff ein und drehe dann bei. So mache ich nur mehr ganz wenig Fahrt und die eindringende Wassermenge verringert sich sofort. Denn renne ich auch schon um Epoxi und Glasfasermatten, Pinsel, Arbeitshandschuhe, Mischgefäß und grobem Schleifpapier zu holen. Zum Glück fällt mir ein, dass Nachdenken meistens zielführender ist als einfach drauflos zu arbeiten.
Ich bin überrascht über mich. Ich bekomme Wasser ins Schiff, ganz vorne, unter der Wasserlinie, wo es am gefährlichsten ist, kann also jederzeit absaufen wie ein Hund und bin trotzdem völlig ruhig. Es geht jetzt darum den Schaden so zu reparieren, oder zumindest zu verringern, dass ich sicher bis nach Galapagos komme. Ich überlege mir verschiedene Varianten und entscheide mich dann für folgendes. Als erstes werde ich im obersten Bereich, am Ende der Risse etwa 20 cm über der Wasserlinie, abschleifen und ein paar Matten quer drüber laminieren. Damit soll verhindert werden, dass sich die Risse vergrößern, das System instabiler wird und im schlimmsten Fall ganz aufreißt. Anschließend laminiere ich mehrere Lagen über die Risse und dann kommt der wirklich schwierige Teil. Die Reparatur unterhalb der Wasserlinie. Ich habe nur Epoxi an Bord, kein Polyester, was in diesem Fall vorteilhaft wäre. Am Idealsten wäre natürlich unter Wasser aushärtendes Epoxi. Polyester hätte den Vorteil dass es einfach durch Zugabe einer grösseren Härtermenge innerhalb weniger Minuten aushärtet, während es bei meinem Epoxi etwa 1 Stunde dauert. Ich suche mir ein Stück Aluminium Blech und biege es in Form passend zum Rumpf. Danach wird noch ein Stück dickes Neopren von meinem alten Surfanzug auf das Blech geklebt und das ganze mit einer langen Holzlatte gegen das Loch gepresst und verspannt. So kann während die getränkten Matten über dem ganzen Teil aushärten kein Wasser mehr eindringen. 
Das klingt hier relativ einfach wenn man die Örtlichkeit kennt, schaut's anders aus. Im Bodenbereich ganz vorne ist die Breite wo man steht so 4 cm, bei den Schultern vielleicht 30cm, man steht im Wasser, kann nichts hinlegen, alles verklebt und das ganze Schiff schwankt natürlich wunderbar in den Wellen. Wie ich durch die kleine Einstiegsluke wieder raus gekommen bin – ich habe keine Ahnung, war nur heilfroh und habe noch eine gute Stunde gewartet bevor ich nachgeschaut habe ob die Operation von Erfolg gekrönt war. Nur mehr ganz leicht kommt eine dünne Wasserspur bei einem kleinen Loch durchgesickert. Es sind ca. 3 Liter Wasser in 12 Stunden die noch reinkommen. Damit kann ich gut leben bis Galapagos.

In der Folge geht es gut voran, immer so 20 Knoten Wind aber immer hart am Wind segeln. Es geht mit guten 6-7 Knoten dahin, leider nur durchs Wasser und nicht über Grund. 2-3 Knoten Gegenstrom bremsen mich ganz gewaltig und so erreiche ich auch an den restlichen Tagen nur geringe Etmale.
Am 16.5. um 03:30 plötzlich der AIS Alarm. Der 274 Meter Tanker Max Jacob ist genau auf Kollisionskurs mit mir. Ich rufe ihn per Funk an und ersuche ihn hinter mir vorbei zu fahren. Kein Problem meint der gute Mann, ändert seinen Kurs – nur leider auf die falsche Seite. Allmählich wird es eng, die Zeit wird knapp. Als ich ihn wieder rufen will hat er seinen Fehler gerade selbst entdeckt und bringt das riesige Teil auf den rechten Kurs. Noch ein kurzes Danke und ein Plausch am Funk, er gibt mir noch den neuesten Wetterbericht durch und dann ist er auch schon wieder verschwunden. 

Am Abend kommen zwei Möwen zu mir aufs Schiff und wollen ein Stück mit segeln. Nun ich erkläre ihnen wenn sie nicht alles vollscheißen kein Problem. Gut meint die Groessere der beiden, lässt sich auf den Solarzellen nieder und die zweite folgt dicht auf. 2 Tage bleiben sie bei mir und kein einziger Dreckpatzen. Hätte nie geglaubt dass Südamerikanische Möwen Salzburgerisch verstehen.





Am Donnerstag den 18.5. um 22:33 ist es dann soweit – ich überquere den Äquator. Wenn man alleine segelt macht man auch keine großartige Feier mit Neptun. So habe ich das erste mal selbst eine Torte gemacht und zu Ehren dieses großen Momentes wird das erste Stück davon jetzt gegessen. Danach gibt es zur Verdauung einen Abuelo (Rum) den ich mir mit Neptun teile (er trinkt mehr als ich!!!)

Die letzten 3 Tage sind traumhaftes Segeln. Wunderbares Wetter, Wind 15-20 Knoten, relativ angenehme Welle für einen „Am Wind“ Kurs. Der Autopilot ist eingestellt, die Segel durchgesetzt und tagelang geht es einfach dahin. Nichts ist zu tun als den Autopiloten entsprechend dem Wind dann und wann ein paar Grad nach zu stellen. Ich kann gut schlafen und komme am Freitag 20.5.2011 sehr ausgeruht in Puerto Baquerizo Moreno auf der Insel San Cristobal im Archipel Galapagos an.
 


Insgesamt 999 Seemeilen, 12 Tage und 4 Stunden ergibt einen schmählich langsamen Schnitt von nur 3,42 Knoten.



 Übrigens habe ich heute Früh erfahren, dass einen Tag nach mir ein anderer Katamaran ebenfalls auf einen Baum gedonnert ist. Ihm hat es beide Ruder weg gerissen. Er war somit manövrier unfähig und er musste abgeborgen werden. Da habe ich also wieder richtig Glück gehabt.

Montag, 23. Mai 2011

Kollision

 Genau da wo ich jetzt gerade bin, auf 06 Grad 04 Minuten Nord und 81 Grad 42 Minuten West, da muss irgendwo Salzburg ganz in der Nähe sein. Anders gibt es diesen so elendiglich lang anhaltenden Schnürlregen nicht. Dafür gibt es so gut wie keinen Wind. Nur immer zwischendurch für 1-2 Stunden wenn ein Squall durchzieht, dann geht’s dafür aber gleich wieder ordentlich zur Sache mit teilweise über 30 Knoten Wind. Wenn man dann gerade schläft, etwas kocht, am Häusl sitzt, oder andere wichtige Tätigkeiten ausübt, dann wird’s lustig.
Mehr als 5 Tage bin ich jetzt unterwegs seit Panama City und die Etmale (zurückgelegte Strecke in 24 Stunden) sind erschreckend gering. 42-74-81-51 und 63 Seemeilen, also insgesamt lächerliche 311 Meilen in 5 Tagen ist die ganze Ausbeute. Bleiben noch über 600 Seemeilen übrig. Geht es mit dem selben Tempo weiter dann sind das noch mal 10 Tage, na servas.
Irgendwann wird der Wind schon kommen und ich hoffe vor allem auch die Sonne. Meine Batterien sind inzwischen leer, nur mehr 10,2 Volt. Wenn ich nicht sofort was unternehme dann ist das auch noch das Ende der Batterien.

Ja und dann kam er, der Freitag der 13te.
In der Nacht fällt der Autopilot aus. Ich hänge den zweiten dran, der geht auch nicht und erst mein Uralter, der eigentlich nur mehr als Ersatzteillager dient, rettet mich vor dem Handsteuern. Mir fällt ein dass ich ja erstmals auch ein wenig Strom mit dem neuen 4-Takt Außenborder produzieren kann und so rattert das gute Stück die ganze Nacht um ein wenig Saft in die Batterien zu bekommen. Um 04:00 in der Früh plötzlich 2 weiße Lichter , etwa 1,5 Seemeilen an der Steuerbordseite. Ich habe keine Ahnung was das ist. Sie kommen nicht näher und ich bin froh als sie hinter mir am Horizont verschwunden sind. Es regnet weiterhin in Strömen, schwarze Wände rings um mich. Der Wind hat sich inzwischen auch bei rund 20 Knoten eingependelt, in den kurzen Squalls deutlich mehr. Und dann urplötzlich ein heftiger Schlag auf der Steuerbordseite. Ich sehe nur am Heck einen Baumstumpf vorbeitreiben. Den muss ich wohl erwischt haben. Eine halbe Stunde später dann ein Krach und ein Rumpler dass ich glaube mir zerreißt das Boot. Und eine Sekunde später noch ein zweiter Schlag wie mit dem Dampfhammer, diesmal aufs Ruder. Mir wird ganz anders.
Ich bin voll auf einen riesigen Baum aufgedonnert. Zuerst mit dem rechten Rumpf, und dann noch mit dem Ruder. Das Teil war gut und gerne 15 Meter lang und 1 Meter im Durchmesser. Obwohl ich geschaut habe, ist er mir erst 2-3 Meter vor dem Schiff aufgefallen. Durch Wellen, Wind und Regen war einfach keine Chance. Ich hänge den Autopiloten aus und probiere vorsichtig ob das Ruder noch arbeitet. Scheint in Ordnung zu sein, nichts blockiert, geht leicht wie immer, reagiert gut auf alle Bewegungen. Ich muss kontrollieren ob der Baum irgendwelche Schäden am Rumpf verursacht hat. Der Bugraum, der eigentlich leer sein sollte ist natürlich vollgestopft mit allem möglichen Zeugs. Hauptsächlich Wasserkanister, Rettungswesten, Schaumstoffmatten und anderen leichten Dingen. Ich räume alles auf die Seite, ja und dann kam der große Schock – Wasser im Schiff.

Bald geht’s weiter
Bis dann
Chico