Mittwoch, 11. Mai 2011

Abfahrt

Sonntag 8. Mai 2011 , genau 10:00 Ortszeit als der Anker an Deck liegt, ich den Gashebel leicht nach vorne drücke und die Reise in den Pazifik endlich beginnt. Die erste halbe Stunde geht es durch die Menge an großen Stahlpötten die hier vor Anker liegen bis ich freie Fahrt habe. Es weht nur ein leichter Hauch, trotzdem setze ich die Segel und lasse mich langsam nach Süden treiben. Es macht keinen Sinn hier zu hetzen und wenn ich 1-2 Tage länger brauche, naja...
Der Wind fängt an zu drehen, dunkelgraue Wolken rund um mich und es dauert auch nicht lange bis das Wasser auf CHI niederprasselt. Ich habe genug zu tun. So muss noch der ganze Rum und Wein der bis dato unter dem Tisch gelagert war ordentlich verstaut werden. Danach senke ich den Tisch auf Bankniveau und es entsteht eine riesige Liege, welche für die nächsten Tage mein Bett sein wird. So brauche in der Nacht nicht von der Kabine nach oben laufen, sondern bin immer mitten im Geschehen, brauche nur den Kopf zu heben um einen 360 Grad Rundum blick zu haben um danach sofort wieder in den Schlaf zu versinken.
Nur in der ersten Nacht ist so gut wie nix mit schlafen. Ständig sehe ich die Lichter von mindestens 4-5 Schiffen um mich herum. Da aber so gut wie kein Wind ist, treibe ich nur ganz langsam und bin fast manövrierunfähig. Ich hetzte mehr oder weniger zwischen den einzelnen Alarmtönen meiner gerät hin und her und versuche mir die ganzen Informationen zu merken. Es piepst das AIS weil ein Schiff in meine Nähe kommt, dann wieder Alarm vom Autopiloten der bei der geringen Geschwindigkeit, verbunden mit den Strömungen und den von den riesigen Frachter erzeugten Wellen so seine Schwierigkeit hat. Danach wieder der Wecker den ich auf 20 Minuten gestellt habe falls ich doch einschlafen sollte zwischen durch. Da besteht aber keine Gefahr. Der Kompass zeigt 180 Grad, also genau Süden, da wo ich hin will. Als ich zum GPS gehe sehe ich den COG (Kurs über Grund) mit 1,7 Knoten nach 330 Grad. Das heißt ich segle also nicht nach Süden, sondern die starke Strömung treibt mich nach Nordwesten, frustrierend. Als dann 8 Schiffe gleichzeitig um mich sind und ich ehrlich nicht mehr weiß welcher der großen Lichterhaufen die gefährlichen sind, starte ich den Motor und fahre nach Osten, raus aus dem Schifffahrtsweg. Es wird aber nicht besser, die sind überall.
Am Montag morgens so ab 10:00 dann endlich vernünftiger Wind. Sofort beschleunigt CHI und es geht mit 6 Knoten fahrt dahin. Hinter mir ist eine riesige schwarze Wolke, vor mir blauer Himmel. Ich hoffe das das schöne Wetter vor mir stärker ist und den Regen abhalten kann, denn der Luftdruck ist extrem tief gefallen, kein gutes Zeichen. Inzwischen erreicht der Wind die 20 Knoten Grenze, Zeit für mich zu reffen. Gerade als ich meine Sicherheitsleine anlege, rattert die Angel los. Ein kapitaler Thunfisch ist dran. Eine Stunde dauert es bis der starke Kerl an Bord ist. Dann habe ich endlich Zeit das 1. Reff einzubinden als die Kopfplatte des Segels ausbricht. Verdammte Scheiße. Es wird schon finster und ich verschiebe die Reparatur auf morgen bei Tageslicht. Ich weiß der starke Wind wird nicht mehr lange halten und es frustriert mich eher dass ich die ganze Nacht mit gerefftem Segel unterwegs sein muss. Wenigstens bleibt die Windrichtung konstant und ich kann viel schlafen, da sich auch der Schiffsverkehr langsam ausdünnt und ich seltener vom Alarm aus dem Schlaf gerissen werde.
Dienstag morgen nach dem Frühstück sofort Großsegel runter, und die Kopfplatte reparieren. Endlich scheint auch wieder die Sonne, meine Batterien laden sich wieder auf, ich habe also auch wieder Strom für Computer und Funke.
Es ist jetzt Dienstag 10:15 Ortszeit (15:15 UTC) meine Position 06° 53,8' Nord und 80°08' West, Kurs 210 Grad, Geschwindigkeit 3 Knoten, Wind 5,5 Knoten
Bis Galapagos sind es noch 730 Seemeilen.

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